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soulfire DNA – Teil 4: Der Heilige Geist

Eine weitere wichtige Eigenschaft der Calvary Chapel Bewegung soll in der soulfire Gemeindegründung in Köln erhalten bleiben: und zwar die Rolle, die der Heilige Geist in unserem Denken und Leben spielt. Was die Person und die Hauptaufgaben des Heiligen Geistes angeht, herrscht eigentlich im ‚klassischen Christentum‘ große Übereinstimmung. Christen glauben an den Heiligen Geist, „der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten“ (aus dem Nicäno-Konstantinopolitanum). Der Heilige Geist ist Gottes (spürbare) Gegenwart in uns und um uns herum. Er ist die Kraft Gottes, die in uns, durch uns und auch unabhängig von uns bei jedem Menschen am Werk ist.

Der Heilige Geist hat sein Hauptaufgabenfeld in der Gemeinde. „Das Werk des Heiligen Geistes ist es, die aktive Gegenwart Gottes in der Welt, und insbesondere der Gemeinde, zu manifestieren.“ (Wayne Grudem) Er befähigt, reinigt, offenbart und vereint. Dadurch gibt er uns Beweise der Gegenwart und des Segens Gottes.

„Das Werk des Heiligen Geistes ist es, die aktive Gegenwart Gottes in der Welt, und insbesondere der Gemeinde, zu manifestieren.“ (Grudem)

Die Mission der Gemeinde ist eine geistliche Mission. Sie besteht aus Dingen, die eigentlich nur Gott tun kann: geistliche Segnungen, Rettung, Heilung, Vergebung und Veränderung in die Welt zu tragen. Kein Mensch kann einen anderen Menschen dazu bringen, Jesus als Herrn und Retter anzuerkennen. Deswegen ist die Gemeinde zu 100% von Gott dem Heiligen Geist abhängig. Im besten Fall sind wir als Gemeinschaft ein Kanal, durch den Gottes Wirken ungehindert fließen kann.

Eine gute Beziehung zum Heiligen Geist

Damit das möglich wird, müssen wir zum Einen als Einzelne eine gute Beziehung zum Heiligen Geist haben. Wir sollen an ihn glauben, um ihn bitten und uns komplett auf ihn verlassen. Wir werden als einzelne Christen dazu aufgerufen, mit dem Heiligen Geist zu kooperieren, ihn nicht durch unser Verhalten traurig zu machen oder sein Wirken einzudämmen. Statt dessen sollen wir „allezeit brennend im Geist“ sein.

Zum Anderen müssen wir darauf achten, dass wir dem Heiligen Geist auch in der Gemeindestruktur und im Gemeindeleben Raum geben. Wir sollen überlegen, planen und arbeiten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass im Optimalfall der Heilige Geist sich unsere Arbeit als Werkzeug erwählt um das zu tun, was er tun will und nur er tun kann. Wie schnell ist man so besorgt und beschäftigt mit vielem Dienen, dass man keine Zeit mehr hat, um von ihm zu empfangen (siehe die Geschichte von Maria und Marta in Lukas 10,38-42)? Wie leicht passiert es, dass man den Heiligen Geist in einer Gemeinde ‚rausgeplant‘ hat… Wenn wir wollen, dass der Heilige Geist eine Gemeinde gebraucht, in ihr und durch sie wirkt, müssen wir uns davor hüten, bzw. Buße tun, wo das schon passiert ist. Unsere Beziehung zum Heiligen Geist (als Einzelne und als Gemeinde) muss immer wieder korrigiert werden.

Streitpunkt Geistesgaben

Ein Bereich, in dem besonders seit ca. 100 Jahren viel diskutiert wird, sind die sogenannten Geistesgaben. Das sind übernatürliche Befähigungen (wie z. B. das Beten in nie gelernten Sprachen, Prophetien, Heilungen, etc.), durch welche die Botschaft der Gemeinde bestätigt werden. Die Sichtweise, dass diese Geistesgaben mit der Ära der Apostel aufgehört haben, weil sie nur nötig waren, weil es noch keine Bibel gab, nennt man Cessationismus (von cessare, lat. „aufhören“). Auf der anderen Seite stehen vor Allem die Pfingstler und Charismatiker, in deren Glaubens- und Gemeindeleben diese Geistesgaben eine ganz zentrale Rolle spielen. Sie erkennen zwar an, dass die Geistesgaben während einem großen Teil der Kirchengeschichte ‚verschwunden‘ waren, erklären dies aber mit dem geistlichen Verfall, der durch Überstrukturierung (starre Traditionen und Liturgien, großer Schwerpunkt auf Ritualen) entstand.

Für mich entstehen hier zwei grundlegende Fragen: 1. Ersetzt die Bibel die Geistesgaben? und 2. Warum haben die Geistesgaben an einem bestimmten Punkt in der Kirchengeschichte fast komplett aufgehört?

Ersetzt die Bibel die Geistesgaben?

Die Kanonisierung der Bibel (die Auswahl darüber, welche Bücher in die Bibel gehören und welche nicht) ist das Herzstück christlicher Tradition. Die Bibel ist die Richtschnur des christlichen Glaubens. An ihr wird festgemacht, was Christen glauben und wie sie leben sollten. In ihr lesen wir davon, wie sich Gott in der Geschichte Israels, im Leben von Jesus, und in der ersten Gemeinde offenbart. Die Geistesgaben hingegen haben laut Paulus vor Allem die Aufgabe, Christen in ihrem Glauben zu stärken, und die Gemeinde zu einem Ort zu machen, an dem alle Menschen Gott erleben und sehen können. Sie sind ein Zeichen vom anbrechenden Reich Gottes auf dieser Erde. An keinem Punkt im Neuen Testament werden die Geistesgaben (auch nicht die Gabe der Prophetie) als normativ für den Glaubensinhalt dargestellt. Was den Glaubensinhalt (das Evangelium) angeht, sehen wir, wie Paulus sehr leidenschaftlich und heftig dafür kämpft, dass diese Botschaft ein für allemal fest steht. Gleichzeitig war er aber offen dafür, dass jemand wie der Prophet Agabus zu ihm kam, und ihm eine göttliche Botschaft übermittelte: „Der Heilige Geist erklärt: `So wird der Besitzer dieses Gürtels von den führenden Männern der jüdischen Gemeinde in Jerusalem gefesselt und den fremden Völkern ausgeliefert werden.“ (Apostelgeschichte 21,11b; NL) Dass Paulus trotzdem nach Jerusalem ging, zeigt, wie er mit dieser Weissagung umging. Sie war eine göttliche Offenbarung, bei der es aber nicht darum ging, wie er sich verhalten oder was er glauben musste. Und auch später war die Lehre der Apostel der Maßstab, an dem Prophetien gemessen wurden – nicht umgekehrt. Das sieht man z. B.  in der Apostellehre (Didache), einem frühen christlichen Dokument. In diesem Dokument finden sich klare Anweisungen, um beurteilen zu können, welcher Prophet wirklich Botschafter Gottes war, und welcher nicht.


Haben die Geistesgaben aufgehört – und wenn ja, warum?

Schaut man sich die Schriften der Kirchenväter an, werden diese Fragen relativ eindeutig beantwortet. Die Geistesgaben hörten definitiv nicht mit dem Tod des letzten Apostels (Johannes) auf. Und weder der moralische Verfall der Kirche noch die Kanonisierung der Schrift führten dazu, dass die übernatürlichen Zeichen in der/durch die Gemeinde ganz aufhörten. Das wird durch verschiedene Schriften belegt:

„Bei uns gibt es nämlich noch bis auf den heutigen Tag prophetische Charismen [Geistesgaben].“ (Justin der Märtyrer, gestorben 165)

„…indem er [Paulus] die vollkommen nennt, die den Geist Gottes empfangen haben und durch den Geist wie er selber in allen Sprachen reden. Hören wir doch auch von vielen Brüdern in der Kirche, daß sie prophetische Charismen haben, in allerhand Sprachen durch den Geist reden, das Verborgene der Menschen zu ihrem Vorteil ans Licht bringen und die Geheimnisse Gottes erklären.“ (Irenäus, gestorben 200)

„Der Apostel [Paulus] meinte, dass die Gabe der Prophetie bis zum zweiten Kommen [Jesu] in der Gemeinde vorhanden sein würde.“ (Asterius Urbanus, 232)

„In seinem [d. i. Jesu] Namen wirken deshalb seine wahren Schüler, die von ihm die Gnade empfangen haben, Wunder an den übrigen Menschen, wie ein jeder von ihm die Gnade empfangen hat. Die einen treiben wahrhaft und bestimmt Geister aus, so daß oftmals die ihnen glauben, die von den bösen Geistern befreit sind, und in die Kirche eintreten. Die andern schauen in die Zukunft, haben Gesichte und weissagen. Wieder andere legen den Kranken die Hände auf und machen sie gesund. Ja sogar Tote sind auferstanden, wie wir bereits gesagt haben, und lebten unter uns noch etliche Jahre. Doch wer vermöchte alle die Gnaden aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Welt von Gott empfängt und zum Heile der Völker im Namen Jesu Christi, des unter Pontius Pilatus gekreuzigten, Tag für Tag ausspendet.“ (Irenäus, gestorben 200)

„Und dass es der Heilige Geist war, der damals [bei Jesu Taufe] „in Gestalt einer Taube“ erschien, das beweisen meines Erachtens „die Wunder, die durch Jesus geschehen sind (…). Doch ich will mich nicht nur auf diese Wunder berufen, sondern, wie recht und billig, auch auf jene, die die Apostel Jesu gewirkt haben. Denn ohne Kraftwirkungen und Wunder hätten sie die Hörer neuer Worte und neuer Lehren nicht dazu bestimmen können, die Religion ihrer Väter zu verlassen und trotz der drohenden Todesgefahren die Lehren der Apostel anzunehmen. Und auch [jetzt] noch haben sich Spuren des Heiligen Geistes, der „in Gestalt einer Taube“ gesehen wurde, bei den Christen erhalten; denn sie treiben Dämonen aus, vollbringen viele Krankenheilungen und tun nach dem Willen Gottes manchen Blick in die Zukunft.“ (Origenes, gestorben 253/254)

Aus diesen und anderen Quellen wird deutlich, dass die Gemeinde auf jeden Fall noch in den ersten 2-3 Jahrhunderten nach ihrer Entstehung ziemlich ‚charismatisch‘ war. Und die Geistesgaben wurden mit denselben Argumenten begründet, die man aus der pfingstlichen Theologie kennt. Im 4. und 5. Jahrhundert jedoch finden sich auch folgende Aussagen:

„An anderer Stelle schreibt Irenäus: „Wie wir hören, besitzen viele Brüder der Kirche prophetische Gaben, sprechen durch den Geist in vielen Sprachen, offenbaren das Verborgene zum Nutzen der Menschen und verkünden die Geheimnisse Gottes.“ So viel über die Tatsache, daß sich noch bis zu den erwähnten Zeiten bei denen, die würdig waren, die Auszeichnung, Wunder zu wirken, erhalten hat.“ (Eusebius, gestorben ca. 340)

Eusebius blickt in seiner Aufzeichnung der frühsten Kirchengeschichte ebenfalls wehmütig auf die Zeit zurück, als die Kirche noch diese übernatürlichen Zeichen göttlicher Gunst besaß.

„Diese ganze Stelle ist sehr unklar. Doch die Unverständlichkeit stammt aus unserer Unwissenheit was die Tatsachen angeht, auf die sich hier bezogen wird; und aus ihrem Aufhören, da sie damals auftraten, jetzt aber nicht mehr geschehen. (…) Und warum geschahen sie damals, geschehen aber jetzt nicht mehr?“ (Chrysostomus, gestorben 407)

Chrysostomus sah die Geistesgaben als etwas an, dass der Kirche wegen ihrer moralischen Verkommenheit abhanden gekommen war. Er sah in den Ritualen der Kirche nur die traurigen, äußerlichen Überreste einer vergangenen, herrlichen Lebendigkeit.

„In der frühsten Zeit „fiel der Heilige Geist auf diejenigen, welche gläubig geworden waren, und sie redeten in anderen Sprachen“, welche sie nicht gelernt hatten, „wie der Heilige Geist ihnen gab auszusprechen“. Dies waren Zeichen, die dem Zeitpunkt angepasst waren. Denn es schien notwendig zu sein, dass der Heilige Geist sich in allen Sprachen manifestierte, um zu zeigen, dass das Evangelium Gottes durch alle Sprachen in der ganzen Welt sich ausbreiten sollte. Dies geschah zu einem Zeichen, und es hörte wieder auf.“ (Augustinus, gestorben 430)

Augustinus argumentiert dagegen, dass die Sprachenrede als Zeichen der Bekehrung zu verstehen sei. Vielmehr sei die Liebe das wahre Zeichen dafür, dass jemand tatsächlich gläubig geworden war. Aber auch wenn dieses Zitat so klingt, als ob für Augustinus die Sache mit den Geistesgaben abgehakt sei, findet man doch in seinem Buch „Vom Gottesstaat“ eine überraschende Auflistung von Heilungserlebnissen aus seinem eigenen Dienst bzw. Umfeld. Entschieden lehnt er Zeichen und Wunder als Grundlage für den Glauben ab. Doch er schreibt: „Denn auch jetzt noch geschehen Wunder im Namen Christi, sei es durch seine Sakramente oder durch die Gebete und Reliquien seiner Heiligen; sie treten nur nicht so ans Licht, daß sie mit so strahlendem Ruhm wie die Anfangswunder sich verbreiteten.“ (Kapitel 22) Liest man weiter, wird klar, dass er keineswegs glaubte, dass es keinerlei übernatürliche Zeichen mehr geben würde. Nur würde diesen nach der Fertigstellung des biblischen Kanons bei weitem nicht mehr derselbe Stellenwert zugemessen.

Während den folgenden Jahrhunderten wurden die Gaben des Heiligen Geistes meistens auf die ’sieben Gaben des Geistes‘ (wie Ambrosius sie aufzählte) beschränkt: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht. Doch es finden sich auch andere Beispiele, für übernatürliches Wirken Gottes, so dass der Theologe D. A. Carson zu dem Schluss kommt:

„Es gibt genügend Belege dafür, dass die Geistesgaben in irgendeiner Form (wenn auch nur sporadisch) in allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte fortbestanden. Daher ist es lehrmäßig gesehen unsinnig, darauf zu bestehen, dass jeder Bericht seinen Ursprung in dämonischen Aktivitäten oder geistiger Verwirrung hat.“ (Showing the Spirits)


Fazit

Auch wenn die Geistesgaben in der frühen Kirchengeschichte stark nachgelassen haben, haben sie doch  nie ganz aufgehört. Das Wiederaufflammen seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist genau das: ein Fünkchen Glut, das durch den Atem Gottes wieder zu einem Feuer werden kann – in jeder Gemeinde. Die Zeugnisse aus der Kirchengeschichte sind auf gar keinen Fall so zu verstehen, dass man jetzt alles ungeprüft zulassen soll, was im Namen des Heiligen Geistes passiert. Im Gegenteil. Wir müssen nicht nur neu lernen, die Kraft und die Wirkungen des Heiligen Geistes zu suchen, sondern auch, diese Wirkungen anhand der Schriften zu prüfen – sie zu be- und manchmal auch verurteilen. Wir brauchen den Heiligen Geist. Er ist das Leben der Gemeinde.


soulfire DNA – Teil 3: Wie soll man predigen?

Weiter geht es mit den soulfire-Grundwerten. Diesmal geht es um die auslegende Bibellehre. Eins der Dinge, die eigentlich alle Calvary Chapel Gemeinden gemeinsam haben ist die sogenannte Vers-für-Vers-Predigt. Es gibt verschiedene Arten der Predigt. Worin liegen die Vorteile der auslegenden Bibellehre, bei der man systematisch die einzelnen Bücher der Bibel vorliest, erklärt und anwendet? Um diese und andere Fragen geht es in diesem Artikel.

Was ist auslegende Bibellehre?

Vielleicht sollte man zuerst klären, was mit auslegender Bibellehre eigentlich gemeint ist. Ein großartiger Prediger, Martyn Lloyd-Jones, definierte auslegende Bibellehre als…

„…Predigt, in der es darum geht, das Wort Gottes zu erklären, und nicht bloß die Ideen des Predigers zum Ausdruck zu bringen. Eine Predigt, die nicht einfach thematisch ist oder mit der Absicht gehalten wird, sich den populären Vorlieben oder gerade vorherrschenden Umständen anzupassen.“

Beim auslegenden Predigen direkt aus der Bibel steht der Bibeltext selbst (seine Bedeutung und Anwendung) im Vordergrund. Wer so predigt, bezeugt damit, dass die Aussagen der Heiligen Schrift unendlich wichtiger und wertvoller sind, als alles, was man als Prediger ausführend oder ergänzend hinzufügen könnte. Trotzdem sind die Erklärungen notwendig, um die Zuhörer Schritt für Schritt in die Tiefen von Gottes Wort hinein zu führen. Jemand hat mal über die Bibel gesagt, dass sie wie ein Gewässer sei, in dem sowohl kleine Kinder planschen als auch Elefanten schwimmen können. Und es stimmt: die Botschaft der Bibel erfreut Kinderherzen und zerbricht Theologenköpfe. Gleichzeitig.

Die Botschaft der Bibel

Was sagt die Bibel – und was sagt sie mir? Sich mit diesen Fragen zu befassen ist ein Grundstein für geistlichen Fortschritt. Wenn die Bibel tatsächlich das Wort Gottes ist, d. h., Gott spricht in der Bibel zum Leser bzw. Hörer, ist sie offensichtlich für eine Beziehung mit diesem Gott unersetzlich. Auch wenn Verallgemeinerungen selten hilfreich sind, in diesem Fall kann man eine klare Beobachtung machen: ein starker, intelligenter und relevanter Glaube ist bei den Christen zu finden, die ihre Bibel kennen und studieren. Sie ist der entscheidende Faktor für geistliche Stabilität. Auslegende Bibellehre hilft Menschen, in die Botschaft der Bibel einzutauchen, mit ihr vertraut zu werden, und so in ihrem Glauben zu wachsen. Die Hörer bekommen auf diese Weise eine grundlegende theologische Ausbildung und lernen die Relevanz der Bibel für die alltäglichen und die großen Lebensfragen.

Natürlich ist es naiv zu glauben, dass man die reine, unverfälschte Botschaft der Bibel empfängt, weil man sich auslegende Predigten anhört. Die Gemeinschaft ist dazu da, sich mit dem Gehörten auseinander zu setzen. Gemeinsam kann man die gehörte Botschaft mit der ganzen Bibel und den Erklärungen der wichtigsten Ausleger der Kirchengeschichte (Kirchenväter, Mittelalterliche Exegeten, Reformatoren, Moderne Ausleger) vergleichen. Der Heilige Geist ist schon so lange kontinuierlich am Werk – da braucht nicht jede Generation von Christen originell sein und christliche Theologie neu erfinden, bzw. neue Beiträge liefern.

Die Botschaft der Bibel ist die Botschaft der Kirche. Deswegen ist auslegende Predigt allein nicht der Schlüssel zu dieser Botschaft – die Gemeinschaft und die Geschichte der Kirche sind genauso wichtig. Gott hatte immer seine treuen Zeugen. Wir sind nicht die Ersten, welche die Botschaft der Bibel wirklich verstehen können.

Andere Predigtformen

Neben der auslegenden Predigt sind die erzählenden und die thematischen Predigten als wichtigste Predigtformate zu nennen. Die erzählende Predigt finden wir in der Bibel selbst vor Allem bei Jesus. Man muss nur ein paar mal im Kindergottesdienst gewesen sein, um gelernt zu haben, dass Jesu Predigten ganz häufig Gleichnisse waren: „Irdische Geschichten mit himmlischer Bedeutung.“ (Jon Courson) Manche fragen polemisch, ob diejenigen, die nicht erzählend predigen, meinen, besser predigen zu können als der Herr selbst. Diese Frage müssten wir dann allerdings an die Prediger, Apostel, Propheten und Lehrer der ersten Gemeinde weiterleiten. Deren Predigten waren auch keine Gleichnisse, sondern theologische Kurzabhandlungen zu einem bestimmten Thema.

Thematische Predigten spielten in der Kirchengeschichte von Anfang an eine wichtige Rolle. Ich persönlich halte sie bis heute nicht nur für wichtig, sondern für unersetzlich. Allerdings, wie man es z. B. bei den Kirchenvätern auch vorfindet, in einer sich ergänzenden Beziehung mit der auslegenden Bibellehre. Die große Gefahr für einen Prediger, der nur thematisch lehrt, wird von Chuck Smith in ‚Die Merkmale einer Calvary Chapel‘ benannt:

„Themenbezogene Predigten sind gut und haben ihren Platz, aber wenn man nur auf diese Weise predigt, dann spricht man naturgemäß nur die Themen an, die man mag. Es gibt Themen in der Bibel, die nicht sehr inspirierend sind. Sie begeistern die Leute nicht besonders, sind aber trotzdem notwendig, und man muss sich mit ihnen befassen. Man neigt aber dazu, um solche Themen einen Bogen zu machen. Predigt man nur themenbezogen, tendiert man wahrscheinlich auch dazu, kontroverse oder schwierige Inhalte zu meiden und die Gemeinde wird keine ausgewogene Sicht der Wahrheit Gottes gewinnen.“

Manche geben vor, gar nicht thematisch, sondern nur auslegend zu predigen. Schaut man genauer hin, sieht man allerdings, dass ihre auslegenden Predigten oft eine Kollektion von Mini-Themenpredigten sind. Diese Themen dann auf eine befriedigende Weise zu besprechen ist, meinem Gefühl und Gewissen nach, nur durch thematische Predigten (oder sogar Predigtserien) möglich. Und sei es nur, um die Themen aufzugreifen, die während der auslegenden Predigt im Bibeltext aus Zeitgründen nur gestreift werden konnten.


Fazit

Die auslegende Bibellehre ist unersetzlich. Aber es ist hilfreich, sie durch thematische Predigten zu ergänzen. Beides ist wichtig: den Bibeltext zu erarbeiten, und sich mit bestimmten Themen besonders intensiv zu befassen.


soulfire DNA – Teil 2: Großartige Gnade.

Teil 2 in der Themenreihe über die Grundlagen der geplanten Gemeindegründung in Köln. Dieses Mal geht es um Gnade als Prinzip für den Umgang miteinander in der Gemeinschaft. Gnade ist eine unverdiente Zuwendung. Wer gnädig mit anderen umgeht, fragt nicht danach, wer was eigentlich verdient hätte. Er hilft, weil Menschen Hilfe brauchen.

„Calvary Chapel nimmt zum Thema der Gnade Gottes eine besondere Position ein. Wir sind uns darüber klar, dass ohne die Gnade Gottes niemand von uns eine Chance hätte. Wir brauchen die Gnade Gottes für unser Leben. Wir brauchen sie täglich. (..) Wir haben der Gnade Gottes eine starke Stellung eingeräumt. Wir glauben, dass die Bibel lehrt, dass Gott gnädig ist. Das ist eine seiner wichtigsten Eigenschaften im Umgang mit Menschen. Wäre er nicht ein Gott der Gnade, hätte niemand von uns eine Chance! Wir alle brauchen die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. (…) Es ist eine wichtige Aufgabe von Calvary Chapel, auf Gottes Gnade hinzuweisen und sie anderen zu erweisen.

Im achten Kapitel des Johannesevangeliums finden wir eine sehr interessante Geschichte. Jesus kommt in den Tempel und im zweiten Vers dieses Kapitels erfahren wir, dass er sich setzt um zu lehren. Plötzlich wird seine Predigt durch einen Aufruhr unterbrochen. Man hört hysterisches Schluchzen und Weinen.

„Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.“ (Joh.8,3-4) Die Feinde Jesu wollten ständig beweisen, dass seine Lehre Moses widersprach. Die Menschen sahen Mose als das Werkzeug , durch das ihnen das Gesetz Gottes gegeben worden war. An Moses Autorität gab es keinen Zweifel. Er sprach für Gott. Wenn Jesus irgendetwas sagte, was dem Gesetz Moses widersprach, dann konnte er nicht in Anspruch nehmen, von Gott zu sein. (…)

Hier nun versuchten sie wieder das Gesetz Moses gegen Jesus ins Feld zu führen. „In dem Gesetz aber hat uns Moses geboten, solche zu steinigen; du nun, was sagst du? Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, auf dass sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.“ (Joh.8,5-6). Das war sehr einleuchtend. Doch Jesus sagte kein Wort. Er bückte sich einfach nieder und schrieb mit seinem Finger auf den Boden, so als habe er sie gar nicht gehört. Was schrieb er wohl da auf den Boden? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht schrieb er: „Wo ist der Mann?“ Sie hatten ja gesagt: „Wir haben sie auf frischer Tat erwischt.“ Sie konnten sie gar nicht auf frischer Tat ertappen ohne gleichzeitig auch den Mann zu erwischen. Nach dem Gesetz Moses mussten beide gesteinigt werden. Wären sie also wirklich daran interessiert gewesen, das Gesetz Moses zu bewahren, dann hätten sie den Kerl auch anschleppen müssen. Vielleicht war er ein Freund von ihnen und sie hatten ihn laufen lassen. Das war keine echte Gerechtigkeit. Die Feinde Jesu waren beleidigt. Er schrieb einfach auf die Erde als wären sie gar nicht anwesend. Deshalb ließen sie nicht locker und fragten immer wieder nach. Endlich stand er auf und sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie.“ (Joh.8, 7). Wieder bückte er sich und schrieb auf die Erde. Ich glaube, ich weiß, was er diesmal schrieb. Es ist gut möglich, dass er die Namen der umstehenden Männer in den Staub schrieb, die gekommen waren, um die Frau zu verdammen, und wahrscheinlich begann er mit dem ältesten. Ich denke, er schrieb eine Menge Sünden auf, die dieser Mann begangen hatte. Vielleicht schrieb er von der Geliebten, die er gehabt hatte und begann einige Details ihres gemeinsamen Treibens aufzuschreiben. Schließlich sagte dieser Mann: „Oh, ich habe vergessen, dass ich meiner Frau versprochen hatte heute früher nach Hause zu kommen. Freunde, ich hab noch zu tun.“ Als er gegangen war schrieb Jesus den Namen des Zweitältesten auf und begann wieder einige Dinge niederzuschreiben, die dieser getan hatte, bis auch er wegging. So kam einer nach dem anderen an die Reihe, vom ältesten bis zum jüngsten, bis zuletzt keiner mehr übrig war.

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie.“ (Johannes 8,7)

Nun stand Jesus auf, schaute die Frau an und fragte sie: „Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh.8,10-11). Welch eine wunderbare Antwort gibt Jesus hier: „Auch ich verurteile dich nicht, geh und sündige ab heute nicht mehr.“

Wenn ein schlimmer Unfall passiert, bei dem sich Autos ineinander verkeilt haben und Verletzte mit Schnittwunden blutend auf der Straße liegen, dann gibt es zwei Arten von Einsatzwagen, die am Unfallort erscheinen. Normalerweise kommt zuerst die Polizei, deren Aufgabe es ist, eine Sicherheitszone um den Unfallort zu errichten und den Verkehr zu regeln. Dann holen sie ihre Notizbücher hervor und schauen sich die Positionen der Autos an. Sie messen die Bremsspuren aus und beginnen mit der Zeugenvernehmung. Ihre Aufgabe ist es herauszufinden, wer das Gesetz gebrochen hat. Wer hat Schuld an dieser Tragödie? Ihr Hauptanliegen ist, herauszufinden welches Gesetz gebrochen wurde und wer an dem Unfall die Schuld trägt. Mit dem zweiten Einsatzwagen kommen die Rettungssanitäter. Die Schuldfrage ist ihnen völlig egal. Sie sehen die Menschen, die blutend auf der Straße liegen. Ihre Aufgabe ist es, den Pulsschlag zu prüfen, Verbände anzulegen, nachzusehen, ob Knochen gebrochen sind, Verletzte auf die Trage zu legen und in den Krankenwagen zu heben. Sie denken nicht darüber nach, wer Schuld hat. Sie sind nicht da um die Schuldfrage zu klären. Sie sind gekommen um den Verletzten zu helfen. Ich habe beobachtet, dass es auch im Dienst für den Herrn diese unterschiedlichen Auffassungen gibt. Die einen verhalten sich wie die Polizisten. Sie fallen über die Unglücklichen her, zücken den Bußgeldkatalog und beginnen, ihnen das Gesetz vorzulesen. „Du hast das Recht zu schweigen, aber alles was du sagst kann gegen dich verwendet werden.“ Ihr Auftritt ist sehr gesetzlich und sie versuchen herauszufinden, wer Schuld hat, wer angeklagt werden muss, wie dem Gesetz Genüge getan werden kann.

Doch dann gibt es noch diejenigen, die wie die Sanitäter sind und denen es nicht so sehr darum geht, wer das Gesetz gebrochen hat, sondern wie sie heilen können. Wie können wir helfen? Wie können wir dem Verletzten, dem Verzweifelten dienen? Wie können wir die Dinge wieder zusammenfügen? Wie können wir Heilung fördern? In dem Bericht in Johannes 8 sehen wir die Pharisäer. Sie haben den Bußgeldkatalog gezückt. „Unser Gesetz befiehlt, sie zu steinigen. Was sagst du?“ Doch Jesus ging es darum, der Frau zu dienen, ihr zu helfen, ihr Leben wieder heil zu machen und nicht zu verdammen. „Ich verurteile dich auch nicht“. Er wollte sie gern wieder auf den richtigen Weg bringen. Wir bemühen uns, verletzten Menschen zu dienen. Unser Wunsch ist es, dass sie wieder aufgerichtet werden und zu Kräften kommen. (…)

Wir sollten immer nach einem Neuanfang zu streben, dabei aber nicht die Buße vergessen. Es ist wunderbar, wenn ein Leben, das geschunden und zerschlagen war, wieder Frucht bringt für das Reich Gottes. Aber Gnade hat auch ihr Risiko. Es könnte in einer bestimmten Situation falsch sein, jemandem Gnade und Vergebung entgegenzubringen. Möglicherweise war seine Buße nicht aufrichtig. Es könnte sein, dass er noch Hintergedanken hat. Ich habe Menschen Gnade entgegengebracht und dann zeigte sich, dass sie immer noch in Sünde lebten und später fügten sie mir Schaden zu. Ich bin nicht perfekt. Ich habe mich in mancher Beurteilung geirrt und Menschen Gnade erwiesen, die nicht wirklich Buße für ihre Sünde getan hatten. Ich ging das Risiko ein und nahm Leute als Mitarbeiter auf, die angeblich Buße getan hatten. Doch später stellte sich heraus, dass die gleichen Charakterzüge immer noch vorhanden waren. Ich habe mich geirrt und wahrscheinlich werde ich auch in Zukunft noch Fehler machen. Aber eins kann ich sagen: Wenn ich mich irre, dann will ich lieber fälschlicherweise Gnade erweisen als ein falsches Urteil fällen. (…)

„Wenn ich mich irre, dann will ich lieber einmal zu oft gnädig sein, als einmal zu oft zu verurteilen.“

Ich glaube, dass Gott weit nachsichtiger mit mir und meinen Fehlern ist, wenn ich anderen Gnade erweise, als wenn ich jemanden verdamme, dem er schon längst die Sünde vergeben hat. Es gibt einige Stellen in der Schrift, die uns vor dem Verurteilen warnen. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Matth.7,1). Wir setzen den Maßstab für unser eigenes Gericht wenn wir andere verurteilen. „Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten.“ (Röm.14,4). Ich würde auf gar keinen Fall jemanden fälschlich verurteilen wollen, der wahrhaftig Buße getan hat. Ich fände es schrecklich, mich bei einer richtenden Beurteilung zu irren. Noch einmal: wenn ich mich schon irre, dann lieber zugunsten der Gnade, denn ich weiß, dass Gott mir dann gnädiger sein wird als wenn ich mich irre und jemanden fälschlich verurteile. Ich will in diesem Punkt nicht schuldig werden. Es ist leicht in Gesetzlichkeit zu fallen. Wir müssen uns vor dieser Versuchung in Acht nehmen.“

(Auszug aus „Die Merkmale einer Calvary Chapel“ von Chuck Smith)


Die soulfire-DNA.

Reformation und Symbiose:

Vielleicht kennt ihr den lateinischen Ausspruch ecclesia semper reformanda. Etwas frei übersetzt heißt dieser Satz, dass die Kirche/Gemeinde sich ständig in einem Selbsterneuerungsprozess befinden muss.

Dieser Selbsterneuerungsprozess bedeutet konkret, dass Glaube und Praxis immer wieder anhand der Schrift überprüft werden müssen. Man hinterfragt die eigenen Überzeugungen und Glaubenspraktiken. Dabei geht es um Festigung, Selbstreinigung und Selbstkorrektur. Das ist nötig, weil die Gemeinde Gottes aus schwachen, fehler- und sündhaften Menschen besteht.

Es geht nicht darum, einfach ‚alles besser zu machen‘ oder ’sein eigenes Ding zu drehen‘. Nicht der eigene Geschmack oder das eigene Ego sind der Antrieb, sondern die eigenen biblischen Überzeugungen, begleitet von einer echten Liebe zu den Menschen und geprüft durch das Gewissen vor Gott. Diese Selbsterneuerung in der Gemeindestruktur durch Gemeindeneugründung ist das natürliche Nebenprodukt des persönlichen geistlichen Wachstums (ich lerne dazu, mein Gesamtbild ist vollständiger und ausgewogener, meine Liebe zu Gott und Menschen ist stärker und tiefer).

Ein wichtiger Faktor in solch einem Selbsterneuerungsprozess ist die Symbiose. „Unter einer Symbiose versteht man ganz allgemein das Zusammenwirken zweier Systeme zum beiderseitigen Vorteil.“ Praktisch gesehen bedeutet das (im Bezug auf Gemeindegründung), dass sich aus zwei oder mehreren Gemeindebewegungen etwas Frisches, Neues formt. Manches wird unverändert übernommen, manches wird verändert übernommen, manches wird gar nicht übernommen.

Die Vision für die Gemeindegründung in Köln ist eine Symbiose aus der DNA von Calvary Chapel (auch Distinctives genannt) und der Redeemer Gemeindegründungsbewegung. Dabei wird es zwischen dem, wofür diese beiden Bewegungen stehen, Übereinstimmungen aber auch Spannungsfelder geben. Aber letztendlich, so die dahinterstehende Überzeugung, wird das durch die Symbiose entstehende Ergebnis nicht nur anders, sondern stärker sein. Schwächen werden ausgeglichen, Stärken werden kombiniert.

Dieser Wunsch deckt sich mit der Vision, die wir als Christen im Bezug auf die Gemeinde haben sollten:

„Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und Lehrer. Sie haben die Aufgabe, diejenigen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, für ihren Dienst auszurüsten, damit ´die Gemeinde`, der Leib von Christus, aufgebaut wird. Das soll dazu führen, dass wir alle in unserem Glauben und in unserer Kenntnis von Gottes Sohn zur vollen Einheit gelangen und dass wir eine Reife erreichen, deren Maßstab Christus selbst ist in seiner ganzen Fülle. Denn wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein; wir dürfen uns nicht mehr durch jede beliebige Lehre vom Kurs abbringen lassen wie ein Schiff, das von Wind und Wellen hin und her geworfen wird, und dürfen nicht mehr auf die Täuschungsmanöver betrügerischer Menschen hereinfallen, die uns mit ihrem falschen Spiel in die Irre führen wollen. Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus.“ (Epheser 4,11b-15; NGÜ)

Als reife Christen sollten wir uns wünschen, dass die Gemeinde immer größer, besser und stärker wird. Und das ist unsere Vision, wenn (eine Auswahl von) Calvary Distinctives und Redeemer Core Values verschmelzen.


1. Calvary Distinctives (was eine Calvary Chapel ausmachen soll)

Liebe ist das Wichtigste. Im Notfall ist sie wichtiger als Rechtgläubigkeit. Unsere Überzeugungen kann Gott in einem Augenblick ändern – die Veränderung unseres Herzens braucht eine ganze Lebenszeit.

Gnade beschreibt den Umgang miteinander und bestimmt so die Atmosphäre. Anstatt geistliche Polizei zu spielen, wollen wir lieber Notarzt sein und helfen. Wir geben anderen die Gnade, die wir uns (von Gott und von Anderen) für uns selbst wünschen.

Bibellehre ist eins der wichtigsten Merkmale einer Calvary Chapel. Die auslegenden Vers-für-Vers-Predigten (ergänzt von thematischen Predigten) halten wir für die beste Art, ausgewogene Theologie zu vermitteln, Christen geistlich zu ernähren, und sie so zu einer geistlichen Mündigkeit/Selbständigkeit zu führen.

Der Heilige Geist spielt eine wichtige Rolle. In ihm ist Gott gegenwärtig und wirkt all die Dinge in unserem Leben, unseren Diensten und unserer Gemeinschaft, die nur Gott tun kann. Dazu gehören veränderte Leben, geistliche Frucht, und Weisheit für Entscheidungen. Wir wollen unser bestmögliches geben, uns aber dann trotzdem zu 100% auf ihn verlassen.

Was den Stil angeht, sind wir locker und ungezwungen, und bemühen uns um eine freundschaftliche, ungezwungene aber auch unaufdringliche Wärme. Das gilt für uns persönlich und für unsere Gottesdienste/Treffen.


2. Redeemer Core Values (die DNS des Redeemer Netzwerks)

City Focused Church. Jesus (weint über Jerusalem) statt Jona (wünscht Ninive den Untergang). Verständnis der strategischen Wichtigkeit für die Ausbreitung des Evangeliums/des Reiches Gottes. Liebe für die Stadt, weil voller Menschen.

Gospel – Driven Church. „Das Evangelium ist nicht das ABC, sondern das A-Z des christlichen Lebens.“ In diesem Sinne sind wir als Christen mit allen Nichtchristen im selben Boot: wir brauchen Jesus, wir brauchen Gnade, sind hoffnungslos verloren ohne Gott. Wertschätzung, Respekt und Liebe für Nichtchristen; kein Pharisäertum. Christen sind nicht bessere Menschen als Nichtchristen!

Movement Minded Church. Nicht nur eine Gemeindegründung, sondern eine Gemeindegründungsbewegung. Neugründung von Gemeinden ist ’normal‘, gehört dazu, ist ‚eingebaut‘. D. h., jede neu gegründete Gemeinde hat von Anfang an das Ziel, weitere Gemeinden zu gründen.

Outward Faced Church. Gemeinden existieren nicht zum Selbstzweck. Paulus‘ Ermahnung an die Gemeinde in Philippi gilt auch uns: „Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war: ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!“ (2,5.4) Nur das eigene Wohlergehen zu suchen ist ein Zeichen von Unreife und mangelnder Nähe zum Herz Jesu. Gemeinden sind genauso für Nichtchristen wie für Christen da.

Contextualized Church. Eine kontextualisierte Gemeinde arbeitet nach den selben Dienstprinzipien wie Paulus. Der sagte über sich selbst: „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“ (1. Korinther 9,22) Er passte sich entsprechend seinem Umfeld an. Dabei ging es ihm darum, alle möglichen Hindernisse für das Evangelium zu beseitigen, ohne dabei das Evangelium selbst zu verraten oder zu verlieren. Die kontextualisierte Gemeinde zeigt echtes Interesse an den Menschen, die erreicht werden sollen, und fragt sich: Welche menschlichen Hindernisse halten diese Menschen noch davon ab, das Evangelium hören zu wollen? (Man könnte die Inkarnation von Jesus auch als ‚kontextualisierten Gott‘ bezeichnen. Er hörte nicht auf, Gott zu sein – verlor nicht seine Identität –, kam aber zu uns, lebte unter uns, wurde einer von uns, und brachte uns das Heil.)

Diese Prinzpien (sowohl der Calvary Chapel Bewegung als auch der Redeemer Gemeindegründungsbewegung) werde ich in diesem Blog in dieser Reihenfolge einzeln weiter ausführen. Dann können sie per Commentfunktion kommentiert und diskutiert werden.