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Gnade für Alle!

Gott lässt die Sonne über Gute und Böse scheinen und gibt den Regen den Gerechten und den Ungerechten. Er sendet fruchtbare Zeiten und schenkt Vieles, das dem allgemeinen Wohlergehen der Menschheit zuträglich ist. Zu den häufigsten Segnungen, die man zu dieser Quelle zurückverfolgen kann, zählen Gesundheit, materieller Wohlstand, allgemeine Intelligenz, Begabungen in den Bereichen der Kunst, der Musik, der Redekunst, der Architektur, des Handels und der Erfindungen. (…)

Die Allgemeine Gnade ist der Ursprung aller Ordnung, Kultiviertheit, Kultur, allgemeiner Tugend usw. in der Welt. Durch diese Dinge übt die Wahrheit verstärkt ihre moralische Kraft auf Herz und Gewissen der Menschen aus, und hält so deren böse Leidenschaften in Schach. Diese Gnade führt nicht zur Erlösung, ist aber der Grund, weshalb unsere Erde noch nicht zur Hölle geworden ist.“ (Loraine Boettner)

Gottes Segnungen sind überall, an den unterschiedlichsten und auch unwahrscheinlichsten Orten, anzutreffen. Diese Tatsache nennen Theologen ‚Allgemeine Gnade‘. ‚Allgemein‘, weil sie für alle Menschen da ist. ‚Gnade‘, weil Gott nicht darauf schaut, wer mehr oder wer weniger Segnungen verdient hätte. Er verteilt freigiebig, großzügig, an Gute und an Böse gleichermaßen.

Für uns als Gemeindegründung ist es wichtig, Allgemeine Gnade zu verstehen, und sie auf die Bereiche Kunst, Kultur und Musik anzuwenden. Warum?

Die Lehre von der allgemeinen Gnade hilft uns, Gottes Güte in der ganzen Schöpfung anzuerkennen, und befähigt uns, in einer gefallenen Welt missionarisch zu sein.“ (Tim Keller)

Gottes Güte in der ganzen Schöpfung anerkennen: Wenn der Mensch künstlerisch aktiv ist, spiegelt er damit (ob er will oder nicht) seinen Schöpfer wieder – Gott wird sichtbar. In der Kunst sehen wir Spuren von Gottes Weisheit, Schönheit und Wahrheit. Wir erleben transzendente Augenblicke wenn wir z. B. vom Anblick eines Gemäldes oder beim Hören eines Musikstücks sprachlos und überwältigt sind. Zurecht nennen wir solche Erfahrungen ‚göttlich‘. Paulus schreibt im Bezug auf das Essen: „Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.“ (1. Tim4,4-5LUT)  Gottes Güte wird in der ganzen Schöpfung sichtbar – das sollte uns dankbar machen und in uns Liebe zu Gott inspirieren.

In einer gefallenen Welt missionarisch sein: Um unsere Mitmenschen zu lieben, müssen wir sie verstehen. Kunst, Kultur und Musik sind der Schlüssel zu diesem Verständnis. Sie sagen nicht nur etwas über die Künstler selbst, sondern drücken auch immer den Zeitgeist aus (in der modernen Kunst z. B. Relativismus, Subjektivismus; in der postmodernen Kunst das Aufweichen aller Grenzen, Ängste, Unsicherheit, Zynismus, Romantik). Auch wenn wir vielleicht das Offensichtliche in der Kunst bevorzugen, und uns die Zerrissenheit, die offenen Fragen und Wunden unserer Umwelt irritieren oder verstören – wir müssen dieser Welt, die Gott liebt, in die Augen schauen.

Aber dann müssen wir uns auch überlegen, wie wir die Verbindung zum Evangelium herstellen können. Zum Beispiel das Motiv der Sehnsucht wie der Kirchenvater Augustinus als Sehnsucht nach Gott deuten. Oder in der Orientierungslosigkeit und Verunsicherung Symptome einer leidenden Gesellschaft sehen, die Gott heilen möchte. Eine missionale Gemeinde wird sich die Mühe machen, ihre Umwelt zu verstehen, und die Brücke zu ihr zu schlagen. ‚Allgemeine Gnade‘ hilft uns, nicht alles Nichtchristliche zu verteufeln, sondern Lernende und Brückenbauer zu sein.


Das erste Treffen, die nächsten Termine

Bei unserem ersten Vorab-Treffen war die Bude schon relativ voll – aber es ist natürlich noch Platz für mehr! Thema war die „historische und theologische Verortung“ für unsere Gemeindegründung:

1) Wir sind christliche Kirche. Wir betonen die Kontinuität von Gottes Wirken, und die Einheit aller, die zum christlichen Glauben, wie er sich in der Bibel und den frühen ökumenischen Bekenntnissen ausdrückt, stehen: das, was alle Christen immer und überall geglaubt haben.

2) Wir sind evangelische Christen. Deswegen geht es bei uns immer um Jesus, die Bibel, Gottes Gnade und das Vertrauen auf ihn. Alle Christen sind gleich, was Privilegien und Verantwortung angeht. Jeder Christ ist gleich nah an Gott dran, und jeder Christ ist ‚im Vollzeitdienst‘.

3) Wir sind eine Freikirche. Freikirchen (Gemeinden) sind unabhängig vom Staat, erhalten keine Kirchensteuer. Wir verstehen das Christentum in erster Linie als eine Laien- und Bekenntnisbewegung: jeder, der sich persönlich und freiwillig zum Glauben bekennt, kann mitmachen!

 

Termine.

Wir wollen unsere Treffen immer am 2. und 4. Sonntag des Monats haben. Für den Monat Mai wäre das der 13. und der 27. Hier auf dem Blog gibt’s dann immer noch eine Erinnerung und auch den Teil der Philosophy of Ministry, mit dem wir uns dann befassen werden. Deswegen: Blog abonnieren!

 


soulfire DNA – Teil 2: Großartige Gnade.

Teil 2 in der Themenreihe über die Grundlagen der geplanten Gemeindegründung in Köln. Dieses Mal geht es um Gnade als Prinzip für den Umgang miteinander in der Gemeinschaft. Gnade ist eine unverdiente Zuwendung. Wer gnädig mit anderen umgeht, fragt nicht danach, wer was eigentlich verdient hätte. Er hilft, weil Menschen Hilfe brauchen.

„Calvary Chapel nimmt zum Thema der Gnade Gottes eine besondere Position ein. Wir sind uns darüber klar, dass ohne die Gnade Gottes niemand von uns eine Chance hätte. Wir brauchen die Gnade Gottes für unser Leben. Wir brauchen sie täglich. (..) Wir haben der Gnade Gottes eine starke Stellung eingeräumt. Wir glauben, dass die Bibel lehrt, dass Gott gnädig ist. Das ist eine seiner wichtigsten Eigenschaften im Umgang mit Menschen. Wäre er nicht ein Gott der Gnade, hätte niemand von uns eine Chance! Wir alle brauchen die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. (…) Es ist eine wichtige Aufgabe von Calvary Chapel, auf Gottes Gnade hinzuweisen und sie anderen zu erweisen.

Im achten Kapitel des Johannesevangeliums finden wir eine sehr interessante Geschichte. Jesus kommt in den Tempel und im zweiten Vers dieses Kapitels erfahren wir, dass er sich setzt um zu lehren. Plötzlich wird seine Predigt durch einen Aufruhr unterbrochen. Man hört hysterisches Schluchzen und Weinen.

„Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.“ (Joh.8,3-4) Die Feinde Jesu wollten ständig beweisen, dass seine Lehre Moses widersprach. Die Menschen sahen Mose als das Werkzeug , durch das ihnen das Gesetz Gottes gegeben worden war. An Moses Autorität gab es keinen Zweifel. Er sprach für Gott. Wenn Jesus irgendetwas sagte, was dem Gesetz Moses widersprach, dann konnte er nicht in Anspruch nehmen, von Gott zu sein. (…)

Hier nun versuchten sie wieder das Gesetz Moses gegen Jesus ins Feld zu führen. „In dem Gesetz aber hat uns Moses geboten, solche zu steinigen; du nun, was sagst du? Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, auf dass sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.“ (Joh.8,5-6). Das war sehr einleuchtend. Doch Jesus sagte kein Wort. Er bückte sich einfach nieder und schrieb mit seinem Finger auf den Boden, so als habe er sie gar nicht gehört. Was schrieb er wohl da auf den Boden? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht schrieb er: „Wo ist der Mann?“ Sie hatten ja gesagt: „Wir haben sie auf frischer Tat erwischt.“ Sie konnten sie gar nicht auf frischer Tat ertappen ohne gleichzeitig auch den Mann zu erwischen. Nach dem Gesetz Moses mussten beide gesteinigt werden. Wären sie also wirklich daran interessiert gewesen, das Gesetz Moses zu bewahren, dann hätten sie den Kerl auch anschleppen müssen. Vielleicht war er ein Freund von ihnen und sie hatten ihn laufen lassen. Das war keine echte Gerechtigkeit. Die Feinde Jesu waren beleidigt. Er schrieb einfach auf die Erde als wären sie gar nicht anwesend. Deshalb ließen sie nicht locker und fragten immer wieder nach. Endlich stand er auf und sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie.“ (Joh.8, 7). Wieder bückte er sich und schrieb auf die Erde. Ich glaube, ich weiß, was er diesmal schrieb. Es ist gut möglich, dass er die Namen der umstehenden Männer in den Staub schrieb, die gekommen waren, um die Frau zu verdammen, und wahrscheinlich begann er mit dem ältesten. Ich denke, er schrieb eine Menge Sünden auf, die dieser Mann begangen hatte. Vielleicht schrieb er von der Geliebten, die er gehabt hatte und begann einige Details ihres gemeinsamen Treibens aufzuschreiben. Schließlich sagte dieser Mann: „Oh, ich habe vergessen, dass ich meiner Frau versprochen hatte heute früher nach Hause zu kommen. Freunde, ich hab noch zu tun.“ Als er gegangen war schrieb Jesus den Namen des Zweitältesten auf und begann wieder einige Dinge niederzuschreiben, die dieser getan hatte, bis auch er wegging. So kam einer nach dem anderen an die Reihe, vom ältesten bis zum jüngsten, bis zuletzt keiner mehr übrig war.

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie.“ (Johannes 8,7)

Nun stand Jesus auf, schaute die Frau an und fragte sie: „Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh.8,10-11). Welch eine wunderbare Antwort gibt Jesus hier: „Auch ich verurteile dich nicht, geh und sündige ab heute nicht mehr.“

Wenn ein schlimmer Unfall passiert, bei dem sich Autos ineinander verkeilt haben und Verletzte mit Schnittwunden blutend auf der Straße liegen, dann gibt es zwei Arten von Einsatzwagen, die am Unfallort erscheinen. Normalerweise kommt zuerst die Polizei, deren Aufgabe es ist, eine Sicherheitszone um den Unfallort zu errichten und den Verkehr zu regeln. Dann holen sie ihre Notizbücher hervor und schauen sich die Positionen der Autos an. Sie messen die Bremsspuren aus und beginnen mit der Zeugenvernehmung. Ihre Aufgabe ist es herauszufinden, wer das Gesetz gebrochen hat. Wer hat Schuld an dieser Tragödie? Ihr Hauptanliegen ist, herauszufinden welches Gesetz gebrochen wurde und wer an dem Unfall die Schuld trägt. Mit dem zweiten Einsatzwagen kommen die Rettungssanitäter. Die Schuldfrage ist ihnen völlig egal. Sie sehen die Menschen, die blutend auf der Straße liegen. Ihre Aufgabe ist es, den Pulsschlag zu prüfen, Verbände anzulegen, nachzusehen, ob Knochen gebrochen sind, Verletzte auf die Trage zu legen und in den Krankenwagen zu heben. Sie denken nicht darüber nach, wer Schuld hat. Sie sind nicht da um die Schuldfrage zu klären. Sie sind gekommen um den Verletzten zu helfen. Ich habe beobachtet, dass es auch im Dienst für den Herrn diese unterschiedlichen Auffassungen gibt. Die einen verhalten sich wie die Polizisten. Sie fallen über die Unglücklichen her, zücken den Bußgeldkatalog und beginnen, ihnen das Gesetz vorzulesen. „Du hast das Recht zu schweigen, aber alles was du sagst kann gegen dich verwendet werden.“ Ihr Auftritt ist sehr gesetzlich und sie versuchen herauszufinden, wer Schuld hat, wer angeklagt werden muss, wie dem Gesetz Genüge getan werden kann.

Doch dann gibt es noch diejenigen, die wie die Sanitäter sind und denen es nicht so sehr darum geht, wer das Gesetz gebrochen hat, sondern wie sie heilen können. Wie können wir helfen? Wie können wir dem Verletzten, dem Verzweifelten dienen? Wie können wir die Dinge wieder zusammenfügen? Wie können wir Heilung fördern? In dem Bericht in Johannes 8 sehen wir die Pharisäer. Sie haben den Bußgeldkatalog gezückt. „Unser Gesetz befiehlt, sie zu steinigen. Was sagst du?“ Doch Jesus ging es darum, der Frau zu dienen, ihr zu helfen, ihr Leben wieder heil zu machen und nicht zu verdammen. „Ich verurteile dich auch nicht“. Er wollte sie gern wieder auf den richtigen Weg bringen. Wir bemühen uns, verletzten Menschen zu dienen. Unser Wunsch ist es, dass sie wieder aufgerichtet werden und zu Kräften kommen. (…)

Wir sollten immer nach einem Neuanfang zu streben, dabei aber nicht die Buße vergessen. Es ist wunderbar, wenn ein Leben, das geschunden und zerschlagen war, wieder Frucht bringt für das Reich Gottes. Aber Gnade hat auch ihr Risiko. Es könnte in einer bestimmten Situation falsch sein, jemandem Gnade und Vergebung entgegenzubringen. Möglicherweise war seine Buße nicht aufrichtig. Es könnte sein, dass er noch Hintergedanken hat. Ich habe Menschen Gnade entgegengebracht und dann zeigte sich, dass sie immer noch in Sünde lebten und später fügten sie mir Schaden zu. Ich bin nicht perfekt. Ich habe mich in mancher Beurteilung geirrt und Menschen Gnade erwiesen, die nicht wirklich Buße für ihre Sünde getan hatten. Ich ging das Risiko ein und nahm Leute als Mitarbeiter auf, die angeblich Buße getan hatten. Doch später stellte sich heraus, dass die gleichen Charakterzüge immer noch vorhanden waren. Ich habe mich geirrt und wahrscheinlich werde ich auch in Zukunft noch Fehler machen. Aber eins kann ich sagen: Wenn ich mich irre, dann will ich lieber fälschlicherweise Gnade erweisen als ein falsches Urteil fällen. (…)

„Wenn ich mich irre, dann will ich lieber einmal zu oft gnädig sein, als einmal zu oft zu verurteilen.“

Ich glaube, dass Gott weit nachsichtiger mit mir und meinen Fehlern ist, wenn ich anderen Gnade erweise, als wenn ich jemanden verdamme, dem er schon längst die Sünde vergeben hat. Es gibt einige Stellen in der Schrift, die uns vor dem Verurteilen warnen. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Matth.7,1). Wir setzen den Maßstab für unser eigenes Gericht wenn wir andere verurteilen. „Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten.“ (Röm.14,4). Ich würde auf gar keinen Fall jemanden fälschlich verurteilen wollen, der wahrhaftig Buße getan hat. Ich fände es schrecklich, mich bei einer richtenden Beurteilung zu irren. Noch einmal: wenn ich mich schon irre, dann lieber zugunsten der Gnade, denn ich weiß, dass Gott mir dann gnädiger sein wird als wenn ich mich irre und jemanden fälschlich verurteile. Ich will in diesem Punkt nicht schuldig werden. Es ist leicht in Gesetzlichkeit zu fallen. Wir müssen uns vor dieser Versuchung in Acht nehmen.“

(Auszug aus „Die Merkmale einer Calvary Chapel“ von Chuck Smith)