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Interessiertentreffen

Ab dem 29. April werden wir zweimal pro Monat ein Interessiertentreffen bei uns zu Hause haben. Dieses Treffen ist für alle, die sich für unsere Gemeindegründung interessieren, die neugierig sind, oder mitmachen wollen. Dabei ist es egal, wo jemand im Bezug auf den christlichen Glauben steht – jeder ist willkommen.

Hier die Eckdaten:

– zweimal im Monat, Sonntags Abends, von 17 Uhr bis 19 Uhr (erste Stunde Austausch, kurze Pause, dann gemeinsames Gebet)

– in der Victoriastraße 28, nachher Snacks & Getränke, evtl. mit Kinderbetreuung

– ca. 10 Treffen sind geplant, die dann im Herbst in gemeinsame Gottesdienste münden

– noch nicht der Startschuss, sondern pre-launch Treffen (also vorbereitend)

– für alle Interessierten, die sich informieren oder direkt ein Teil der Kerngruppe sein wollen

– Ziele: Vision erklären, Beten, Kerngruppe formen, Leitbild suchen, Ideen sammeln, Gottesdienste planen

Wenn du planst, bei diesem ersten Treffen am 29. April dabei zu sein, sag kurz (per Kommentar/Nachricht hier oder auf Facebook, bzw. per eMail oder telefonisch) Bescheid, damit wir besser planen können.

Um was Termine und Details angeht immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, lohnt es sich, den Blog zu abonnieren (unten rechts auf der Seite eMail Adresse eintragen).


Eine Vision für praktische Nächstenliebe (Teil 2)

„Gottes Methode ist der Mensch.“ (Unbekannt)

Mensch Sein bedeutet, Bedürfnisse und Einschränkungen zu haben. Deswegen brauchen wir einander. Als Menschen sind wir von Natur aus ein nicht zu entwirrendes Knäuel von unterschiedlichen Nöten. Dazu kommen die durch den Sündenfall hervorgerufenen Nöte: Wir brauchen Heilung und Vergebung.

Als Christen glauben wir an einen Gott, der ein weiches Herz hat. Unsere Bedürftigkeit und Verlorenheit bewegen ihn zur Hilfe. Das wird in der Menschwerdung und im Tod von Jesus Christus sichtbar. Weil er seine Schöpfung (und besonders den Menschen) liebt, wird er eines Tages alles wiederherstellen: „Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offenbarung 21,4; NGÜ)

Uns ist klar, dass Gott nicht zu uns gekommen ist, weil wir es verdient hätten, sondern weil wir so bedürftig sind – und er so ist, wie er ist. Deswegen sehen wir uns selbst in dem bedürftigen Nächsten. Wie können wir das jetzt in die Praxis übertragen? Wie können wir ‚Taten sprechen lassen‘, und so zeigen, dass wir wirklich von Gottes Gnade verändert worden sind?

1 – Indem wir bewusster und hilfsbereiter durchs Leben gehen. Weil Selbstverliebtheit und Selbstgerechtigkeit der Standardmodus des menschlichen Herzens sind, muss das Evangelium uns jeden Tag neu packen und unseren Blick wieder nach außen richten.

2 – Indem wir in der Gemeinde, die wir gründen, ein Diakonat einrichten. Das Diakonat wird die Aufgabe haben, konkreten Bedürfnissen zu begegnen. Dabei gilt Galater 6,10 als Richtlinie:

„Lasst uns jede Gelegenheit nutzen, allen Menschen Gutes zu tun, besonders aber unseren Brüdern und Schwestern im Glauben.“ (NL)

Als Glaubensfamilie sind wir zuerst für einander verantwortlich (so wie jeder Christ zuerst für seine leibliche Familie verantwortlich ist). Deswegen werden wir ein Programm brauchen, um bei den Nöten innerhalb der Gemeinschaft Abhilfe zu schaffen.

Doch dann gilt unser Engagement natürlich auch unserer Stadt und der Welt um uns herum. Dabei geht es uns in erster Linie nicht darum, die Gesellschaft umzukrempeln, sondern das Evangelium zu bezeugen. Deswegen möchten wir mit anderen christlichen Werken in der Stadt vernetzt sein. Gemeinsam wollen wir so deutlich machen, dass diese Welt kein gottverlassener Ort ist.


Eine Vision für praktische Nächstenliebe (Teil 1)

„Wir bekennen uns zum Christentum. Wir behaupten von uns, Nachfolger Jesu zu sein, und nach dem Evangelium zu leben. Wir haben Bibeln in unseren Häusern. Deswegen wollen wir uns nicht so verhalten, als hätten wir noch nie eine Bibel gesehen, als würden wir den christlichen Glauben nicht kennen, oder wüssten nicht, was für eine Religion das Christentum ist.“ (Jonathan Edwards; Christian Charity)

„Wohltätigkeit…ist ein wesentlicher Teil christlicher Moral.“ (C. S. Lewis)

In freikirchlichen Kreisen ist soziales Engagement im Moment ziemlich trendy. Aber eigentlich gehört es zum klassischen Christentum wie Bibel, Gebet und Kirche. Christen geben, Christen helfen, Christen dienen. Die Präsenz einer christlichen Kirche soll eine gute Nachricht für alle Armen und Bedürftigen sein – und so ist es in der Geschichte auch sehr oft gewesen. Wir möchten auch in diesem Sinne in der guten Tradition christlicher Kirchen stehen, und eine Bereicherung für Köln sein.

Was braucht es dazu?

Ein biblisches Menschenbild.

Die Bibel erfasst die uns bekannten menschlichen Nöte (psychologisch, sozial, materiell). Aber sie geht weiter, und nennt uns den Grund für die Existenz der Bedürfnisse. Es gibt eine theologische Not, die allen anderen Nöten zugrunde liegt: unsere Entfremdung von Gott. Alle anderen Nöte sind Symptome für diese Ursache.

Weil der Mensch eine Einheit ist, bedingen und beeinflussen sich die unterschiedlichen Bedürfnisse. Es ist deswegen praktisch unmöglich, die Bereiche unseres Lebens von einander zu trennen. Deswegen gehören auch die unterschiedlichen Arten der Hilfe untrennbar zusammen – das Evangelium kann nicht von konkreter Hilfe getrennt werden.

Ein biblisches Gottesbild.

Gottes großes Ziel ist es, die ganze Schöpfung zu erlösen. Er hat mehr im Blick als nur die innerlichen Nöte. Weil er den ganzen Menschen liebt, lassen ihn unsere vielfältigen Bedürfnisse nicht kalt. Seine besondere Zuneigung gilt den Armen, Benachteiligten, Schwachen, Kranken und Notleidenden. Man kann die Bibel nicht lesen, ohne ständig mit dieser Tatsache konfrontiert zu werden. Seine Barmherzigkeit ist der Grund dafür, dass Gott der Sohn in Jesus Christus Mensch wurde. Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Wenn wir ihn sehen, sehen wir den Vater. Die Evangelien machen deutlich: Jesus kümmerte sich um sämtliche menschlichen Nöte.

Ein geglaubtes Evangelium.

Zahlreiche Stellen im Alten wie im Neuen Testament machen die praktische Nächstenliebe zum Prüfstein für eine richtige Gottesbeziehung. Warum? Weil jemand, der das Evangelium glaubt, sich mit den Armen, Kranken und Bedürftigen identifizieren wird. Er wird realisieren: Geistlich gesehen war ich der Bettler und der Blinde. Aber weil er ein weiches Herz hat, kam Gott in Jesus zu mir, und machte mich reich, heilte mich. Diese unverdiente Barmherzigkeit und freundliche Liebe Gottes wird meine Gefühle für meine Mitmenschen radikal verändern. Mein Dienst am Nächsten wird nicht herablassend sein. Ich werde es nicht als bloße Pflichterfüllung sehen. Statt dessen werde ich von echter Dankbarkeit bewegt sein. Dieser Vorgang ist kein Automatismus – wir müssen uns immer wieder mit dem Evangelium konfrontieren (lassen).

Ein gelebtes Evangelium.

Auf diese Weise führt das Evangelium von Gottes Gnade dazu, dass Menschen es durch ihr Leben weitererzählen. Christen dürfen nicht darauf schauen, wer Hilfe verdient hat. Sie dürfen ihr Herz nicht verhärten, wenn sie menschliche Not sehen. Wo wären wir, wenn Gott nur denen helfen würde, die es verdienen? Oder wenn er sich dazu entschieden hätte, sich von unserer Verlorenheit nicht bewegen zu lassen? Für uns ist der Dienst an unserem Nächsten und an der Stadt deswegen eine Form der Kommunikation, der Predigt. Wir demonstrieren dadurch, was wir glauben: dass das Evangelium eine verändernde Kraft ist.


Eine Vision für interkulturelle Versöhnung

„Ich war ein Ausländer  bei euch, und ihr habt mich aufgenommen.“ (Jesus in Matthäus 25,35)

Deutschland ist Einwanderungsland – das ist erst einmal eine Tatsache. Jeder fünfte Bundesbürger hat seine Wurzeln im Ausland. In Köln ist es fast jeder Dritte. In der Gesellschaft gibt es zwei Reaktionen darauf: die eine Seite fühlt sich bedroht. Meiner Meinung nach wird hier die tiefe Unsicherheit der Deutschen im Bezug auf die Frage nach der kulturellen Identität sichtbar. Angst ist kein guter Zustand, und führt auch in diesem Bereich entweder zu Flucht (Rückzug, Abschottung) oder Angriff (aktiver Rassismus).

Die andere, politisch korrektere Seite spielt die Unterschiedlichkeit herunter und tut so, als wäre Verschiedenheit per se etwas Wunderbares. Sie verschließen die Augen von den äußerst realen Konflikten. Da sich nicht mit dem befasst wird, was die Menschen tatsächlich voneinander trennt, kann auf diesem Weg keine Gemeinschaft entstehen. Die Ansätze der Politik sind einfach zu weit von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt. Sie bieten nicht genug Grundlage für eine umsetzbare Einheit.

Ich glaube, als Christen bietet sich für uns eine dritte Möglichkeit. In seinem Buch „A Theology as big as the city“ interpretiert Ray Bakke die Migration (vor Allem von Ausländern) in die Städte anhand von Psalm 107,1-9 neu:

„Mir scheint es, als müsste man bei Gott selbst anfangen, wenn man herausfinden möchte, wer für den Exodus der Landbewohner in unsere Städte verantwortlich ist.  
Seit nunmehr 2000 Jahren hatte die Kirche den Auftrag „hinzugehen, und alle Nationen zu Jüngern zu machen (Matthäus 28,19). Jetzt wissen wir, wo „alle Nationen“ sind – in unseren Stadtvierteln. Die Grenze zur Weltmission ist nicht mehr länger geographisch gesehen weit entfernt – sie ist kulturell gesehen weit weg, geographisch gesehen ist sie direkt nebenan. Während also das Gebet vieler Christen „Herr, segne die Ausländer – und mögen sie bleiben, wo sie sind!“ gewesen ist, zeigt uns der Psalmist, dass Gott so gut und so gnädig war, eine urbane Migration zu inszenieren. Es gibt so viele Texte in der Bibel, die meine engstirniges Klassendenken und meinen Patriotismus durcheinanderbringen. Dies ist einer davon.“

Wir wollen Multi-Kulti weder glorifizieren noch verteufeln. Für uns ist es eine gottgegebene Chance für das Evangelium. Auf einem kulturell heterogenen Hintergrund (in Köln: Menschen aus über 180 verschiedenen Ländern) kann es sich als einzige wirklich versöhnende Kraft beweisen. Es führt Menschen zusammen, ohne deren kulturelle Identität aufzulösen. Die Botschaft der Bibel befähigt uns dazu.

Das Alte Testament – Schöpfung, Fall & Verheißung
In den ersten Kapiteln der Bibel wird uns Gott als Ursprung aller Dinge vorgestellt. Adam hat Gott zum Vater (Lukas 3,38). Alle Menschen werden auf ein und das selbe Elternpaar, Adam und Eva, zurückgeführt. Das ist der Ausgangspunkt: alle Menschen sind eigentlich Geschwister – sie haben denselben Vater, die gleichen Eltern.

Der erste innerfamiliäre Streit und auch die Feindschaft zwischen den Völkern wird mit dem Sündenfall begründet: der Mensch lehnte sich gegen Gott auf. Wenn wir Gott als gemeinsamen Vater ablehnen, verraten wir damit automatisch unsere Geschwister.

Eingewoben in die Geschichte Gottes mit seinem Volk findet sich allerdings von Anfang an die Verheißung des Messias. Während Gott sich scheinbar exklusiv mit seinem erwählten Volk befasste, hatte er doch von Anfang an die ganze Welt im Blick. Das Heil, die Erneuerung, sollte die ganze Welt erfassen, und nicht nur einem Volk dienen. An Gottes Blick und Absicht hat sich nichts geändert.

Das Neue Testament – Menschwerdung, Tod & Versöhnung
In den Evangelien sehen wir die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Indem er einer von uns wurde, überbrückte Gott die ewige Kluft zwischen uns und ihm. Indem er für uns starb, versöhnte Gott uns mit sich selbst. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden mehr. Denn während Juden zwar historisch gesehen bis zu diesem Zeitpunkt die Privilegierteren gewesen waren, hatten sie doch die Rettung genauso nötig wie ihre heidnischen Nachbarn. Es entstand eine neue Gemeinschaft von ehemals von Gott Ausgeschlossenen, jetzt aber mit Gott Versöhnten: die Gemeinde. Paulus beschreibt das im Epheserbrief:

„Vergesst nie, dass ihr früher verächtlich „Unbeschnittene“ genannt wurdet, weil ihr zu den nichtjüdischen Völkern gehört. Die Juden wollten sich als „Beschnittene“ von euch unterscheiden, obwohl ihre Beschneidung nur von Menschen durchgeführt wird. Ihr habt damals ohne Christus gelebt und wart ausgeschlossen von Gottes Volk. Darum galten für euch die Zusagen nicht, die Gott seinem Volk gab, als er seinen Bund mit ihnen schloss. Ohne jede Hoffnung und ohne Gott habt ihr in dieser Welt gelebt. Aber weil Jesus Christus am Kreuz sein Blut vergossen hat, gehört ihr jetzt zu ihm. Ihr seid ihm jetzt nahe, obwohl ihr vorher so weit von ihm entfernt lebtet. Durch Christus haben wir Frieden. Er hat Juden und Nichtjuden in seiner Gemeinde vereint und die Mauer zwischen ihnen niedergerissen. Durch sein Sterben hat er das jüdische Gesetz mit all seinen Geboten und Forderungen endgültig außer Kraft gesetzt. Durch Christus leben wir nicht länger voneinander getrennt, der eine als Jude, der andere als Nichtjude. Als Christen sind wir eins. So hat er zwischen uns Frieden gestiftet. Christus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben, damit wir alle Frieden mit Gott haben. In seinem neuen Leib, der Gemeinde Christi, können wir nun als Versöhnte miteinander leben. Christus ist gekommen und hat seine Friedensbotschaft allen gebracht: euch, die ihr fern von Gott lebtet, und allen, die nahe bei ihm waren. Durch Christus dürfen jetzt alle, Juden wie Nichtjuden, vereint in einem Geist, zu Gott, dem Vater, kommen. So seid ihr nicht länger Fremde und Heimatlose; ihr gehört jetzt als Bürger zum Volk Gottes, ja sogar zu seiner Familie.“ (2,11-19; HFA)

Interkulturelle Versöhnung in der Apostelgeschichte
In der Apostelgeschichte sehen wir, wie das Evangelium der Versöhnung dann tatsächlich die größte geistlich-kulturelle Hürde nimmt: das Christentum breitet sich so aus, wie Jesus es befohlen hatte: von Jerusalem nach Judäa, von Judäa nach Samaria und von Samaria bis an die Enden der Welt. Besonders in den Kapiteln 10, 11 und 15 wird deutlich, wie schwer dieser Weg vor Allem für die Judenchristen war. Tatsächlich ist die Spannung zwischen Judenchristen und Heidenchristen ein Thema, das im Neuen Testament immer wieder auftaucht. Aber das Fazit ist immer eindeutig: seid demütig, liebt einander, sucht Kompromisse, kämpft für Einheit und Versöhnung.

 

Interkulturelle Versöhnung in der Ewigkeit
„Danach sah ich eine riesige Menschenmenge aus allen Stämmen und Völkern, Menschen aller Sprachen und Kulturen; ´es waren so viele, dass` niemand sie zählen konnte. In weiße Gewänder gehüllt, standen sie vor dem Thron und vor dem Lamm, hielten Palmzweige in den Händen und riefen mit lauter Stimme: »Das Heil kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!«“ (Offenbarung 7,9-10; NGÜ)

In seiner Vision vom Himmel sieht Johannes vor Gottes Thron eine Menschenmenge, die er als multikulturell identifizieren kann. Ich finde, dass man das nicht einfach übergehen darf. Es ist offensichtlich ein Teil von Gottes Herrlichkeit, dass er sich Menschen aus allen Volks- uns Sprachgruppen erlöst hat, und das diese Vielfalt in Ewigkeit erhalten bleibt. Die Evangelium löscht kulturelle Verschiedenheit nicht aus, sondern ‚erlöst‘ sie. Gott schmückt sich mit dieser Vielfalt. Und weil wir Gottes Ehre suchen, ist das auch unser Ziel als Kirche in Köln.

Konkret:
Rassismus ist Sünde. Und damit für uns als Christen keine Option. Es gibt auch unter Christen viel unterschwelligen Rassismus (kulturelle Überheblichkeit, Vorurteile), der z. T. aus der Bibel abgeleitet wird. Wir vergessen, dass unsere Feinde nicht Menschen, sondern die Sünde, der Teufel und seine Lügen sind. Davor wollen wir uns hüten, und uns dagegen aussprechen und stark machen. Die Unwissenheit und die Vorurteile auf beiden Seiten wollen wir aktiv angehen.

Versöhnung ist unser Auftrag. Das Evangelium kann Menschen zusammenführen. Unsere Vision ist eine Gemeinschaft, die einen Querschnitt der Stadt widerspiegelt. Wir wollen unsere ausländischen Nächsten lieben, indem wir ihnen helfen, sich zu integrieren. Wir möchten Friedensstifter sein und Leute zusammenbringen. Gott sieht den Einzelnen, er befasst sich mit ihnen. Wir wollen das gleiche tun.

„Wichtig in der ganzen Diskussion über Migration und Integration ist, dass wir aufhören zu pauschalisieren und anfangen zu differenzieren. Dies ist eigentlich eine Binsenweisheit – ist aber gleichzeitig unendlich schwierig. So wenig wie es die Deutschen gibt – genauso wenig gibt es die Türken, die Italiener und die Aussiedler oder die Anderen.“ (Tayfun Keltek; Integrationsbeauftragter der Stadt Köln)

Mehr Informationen: 100% Köln


2011 in review

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Ein New York City U-Bahnzug faßt 1,200 Menschen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 4.600 mal besucht. Um die gleiche Anzahl von Personen mit einem New York City U-Bahnzug zu befördern wären etwa 4 Fahrten nötig.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.


Eine Vision für geistliches Leben – Teil 3: Relevant

„Das Verhältnis zwischen Christen und Kultur ist aktuell für die Kirche das entscheidende Thema.“ (Tim Keller)

„Ich versuche nicht, das Evangelium relevant zu machen, sondern die Relevanz des Evangeliums zu zeigen.“ (Mark Driscoll)

Zu unserer Vision für geistliches Leben gehört, dass es nicht nur historisch und organisch, sondern dabei auch relevant für unsere Mitmenschen sein soll. Um das Bild vom Baum aus dem letzten Artikel noch einmal aufzugreifen: der Baum besteht ja nicht nur aus Wurzeln, sondern auch aus einem Stamm, sowie aus Ästen und Zweigen, die sich immer weiter ausstrecken.

Unter „Relevanz“ verstehen wir nicht einfach eine Anpassung der Kirche an ihr kulturelles Umfeld, bei der es nur darum geht, dass Form und Inhalt ‚zeitgemäß‘ sind. Darin sehen wir nämlich die Gefahr, beliebig zu werden, die christliche Identität aufzugeben und damit Verrat an sich selbst zu begehen. Die historischen Wurzeln der Kirche dürfen nicht gekappt werden. Sonst sind wir morgen vielleicht so hip, dass wir übermorgen schon wieder veraltet sind. Relevant sein bedeutet, mit der uns umgebenden Kultur in Berührung zu bleiben. Wir möchten nicht reaktionär und defensiv sein, sondern als Christen proaktiv und dienend am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Nur wenn wir Teil der Kultur sind, können wir sie von innen heraus mit einem gelebten und gepredigten Evangelium konfrontieren.

Konkret: In der Praxis bedeutet das dann folgendes:

Wir wollen authentisch unseren Glauben im Alltag leben. An erster Stelle stehen nicht Programme, Projekte oder Events, sondern eine hohe Sicht des Alltäglichen. Unser geistliches Leben soll zuallererst im Alltag, für Familie, Freunde, Hobby und Beruf relevant sein. D. h., es soll sich dort ausdrücken, und das auf eine Art und Weise, die für unsere Nächsten von Bedeutung ist. Für uns ist das von Theologen so genannte ‚Priestertum aller Gläubigen‘ (alle Christen haben einen priesterlichen Dienst in der Welt) extrem wichtig. Die christliche Kirche ist eine Laienbewegung.

„…einer der Begriffe, der sich in unser christliches Vokabular hineingeschlichen, und dabei unglaublich vielen Seelen geschadet hat, ist „christlicher Vollzeitdienst“. Jedes Mal, wenn wir ihn gebrauchen, treibt es einen Keil der Missverständlichkeit zwischen unser Beten und unser Arbeiten, zwischen unser Gottesdienst Feiern und unser für den Lebensunterhalt Sorgen.“ (Eugene Peterson)

Wir schätzen jede Art von Musik, Kultur und Kunst als Ausdruck der Kreativität und Form der Kommunikation. Der christliche Glaube sollte kulturelle Vielfalt nicht zerstören, sondern feiern. Sie wird in Ewigkeit erhalten bleiben und ermöglicht ein vollständigeres Gesamtbild von Gottes Wesen. Wir glauben, dass der Wunsch, künstlerisch und schöpferisch aktiv zu sein, zu unserer Ebenbildlichkeit Gottes gehört. Außerdem ist Kunst eine Form der Kommunikation. Kunst sagt uns nicht nur etwas über Gott, sondern auch über das Innenleben und die Lebensrealität unserer Mitmenschen.

Wir wollen eine lokale Gegenkultur entwerfen. Das heißt, wir wollen eine alternative Gemeinschaft von Kölnern in Köln und für Köln sein. Nicht eine Subkultur, die sich letztendlich doch einordnen lässt, sondern eine Gegenkultur, wo wir Dinge in Frage stellen, und frei und kreativ überlegen: Wie sähe es aus, wenn die Herrschaft von Jesus in Köln anerkannt und gelebt würde? Das ist unser Experiment.

Wir wollen Verantwortung für die Menschen tragen. Jesus hat seine Gemeinde in die Welt gesandt. Im Rückzug aus der Welt sehen wir deswegen ein sich Drücken vor der gottgegebenen Verantwortung für unsere Mitmenschen. Wir haben nicht nur eine Bringschuld, was das Evangelium angeht, sondern wir sollen gemeinschaftlich Jesus in der Welt verkörpern. Dem gingen (laut Evangelien) auch gesellschaftliche, politische, und soziale Missstände und Nöte nahe. Konkrete Leiden seiner Mitmenschen ließen ihn nicht kalt. „Unsere Liebe darf sich nicht in Worten und schönen Reden erschöpfen; sie muss sich durch unser Tun als echt und wahr erweisen.“ Persönliche Evangelisation und sozial-diakonische Dienste, bzw. gesellschaftliches Engagement, sind deswegen für uns gleich wichtig. Wir finden: man darf sie nicht von einander trennen oder sogar gegen einander ausspielen.


Eine Vision für geistliches Leben – Teil 2: Organisch

Unsere Vision für geistliches Leben ist organisch. Sie orientiert sich an der Natur. In der Bibel sehen wir, wie der Mensch und wie das Reich Gottes mit Bildern aus der Natur beschrieben werden. Ein Mensch ist kein Auto, dass nur regelmäßig ‚auftanken‘ muss. Und echte Gemeinschaft (eine Kirche) ist keine Maschine, die bloß ihr Öl braucht, um rund zu laufen. Wir glauben, dass der einzelne Mensch und die Kirche vor Allem lebendige Organismen sind. Und dass das Leben etwas komplexes, gottgegebenes, heiliges und geheimnisvolles ist. Deswegen schätzen wir das Leben, und wollen es gerne in seiner Fülle entdecken.

In der jüdischen Schöpfungsgeschichte heißt es: „Da machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Lebensatem in seine Nase. Und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.“ Gott machte sich die Hände schmutzig, er formte den Menschen aus der Erde. Der Mensch ist von Gott, aber aus der Erde. Und es ist der Atem Gottes, der ihn zu einem lebendigen Wesen macht.

Gottes Schöpfung funktioniert in Zyklen, sie hat einen Rhythmus. Tag und Nacht, die Jahreszeiten, die sieben Tage einer Woche. Leben wird nicht produziert – es wird geschaffen und es wächst. Die Schöpfung lebt nach diesen Gesetzmäßigkeiten.

Uns ist wichtig, dass wir uns zuerst als Teil von Gottes Schöpfung verstehen. Dass wir begreifen, wie seine Welt funktioniert. „Wir vergessen nicht, dass wir Christen sind – wir vergessen, dass wir Menschen sind.“ (Unbekannt) Nicht nur, dass wir es vergessen, wir haben es nie wirklich gewusst. Und deswegen möchten wir gemeinschaftlich lernen, was es heißt, Mensch zu sein und was es heißt, Christ zu sein. Wir wollen gemeinsam leben lernen. Was passiert, wenn Menschen den göttlichen Rhythmus der Schöpfung ignorieren, sieht man momentan in unserer Gesellschaft: „Volkskrankheit Burn-Out“. Wir sind erschöpft und deprimiert – höchste Zeit, dass wir wieder zurückfinden.

Auch das Himmelreich folgt organischen Naturgesetzen. Das Reich Gottes ist seine anbrechende Herrschaft auf dieser Erde, die sich vor Allem in seiner Kirche zeigt. Jesus sagt:

»Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf sein Feld sät. Es ist zwar das kleinste aller Samenkörner. Aber was daraus wächst, ist größer als alle anderen Gartenpflanzen. Ein Baum wird daraus, auf dem die Vögel sich niederlassen und in dessen Zweigen sie nisten.«

Geistliches Leben in einer Gemeinschaft kommt von Gott. Wir können versuchen, alles so sorgfältig wie möglich zu organisieren. Aber Gott muss das Wachstum geben. Und dieses Wachstum braucht Raum, Pflege und Zeit. Um einen Vergleich vom Apostel Paulus zu gebrauchen: wir können pflanzen und gießen, aber Gott bewirkt, dass es wächst. Die Strukturen, die wir brauchen, sind wie ein Pflanzenstab, der dafür sorgt, dass das Wachstum in die richtige Bahn gelenkt wird.

Wir finden, dass man die Gemeinde mit einem Baum vergleichen kann. Ein gesunder Baum wird gleichzeitig in die Tiefe und in die Höhe bzw. Breite wachsen. Für uns bedeutet das Wachstum in die Tiefe zum Einen die gemeinsame Vertiefung des Glaubens. Zum Anderen heißt es für uns allerdings auch, tief in der Geschichte, die Gott mit seinem Volk schreibt, verwurzelt zu sein (siehe letzter Beitrag).

„Life is too deep for words, so don’t try to describe it, just live it.“ (C. S. Lewis)

Konkret: Weil wir das ganze Leben als Gottes Geschenk sehen, spielen Kunst, Musik und Kultur, Freundschaft und Respekt für uns eine wichtige Rolle. Das soll auch in unserer Gemeinschaft, in Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen sichtbar werden. Wir haben eine ganzheitliche Sicht vom Menschen und von einem Leben mit Gott. Ein richtig verstandenes und entsprechend angewendetes Evangelium wird das ganze Leben von innen heraus verändern. Gott will, dass dieser lebenslange Prozess in einer Gemeinschaft gelebt und von ihr begleitet wird. Soulfire soll ein Zuhause für Lernende und Suchende in der Kölner Innenstadt sein.

Wir glauben an das organische Prinzip, haben aber keine romantische Vorstellung davon, wie dieses in der Praxis zum Tragen kommt. Das heißt: Programme, Methoden, Strategien, Organisation und Planung, Absichtlichkeit und Institutionen sind alles notwendige Werkzeuge für geistliches Wachstum. Sie schaffen den Rahmen für Gottes Wirken, sind aber niemals die Ursache oder Quelle geistlichen Lebens. Mit unseren Bemühungen bauen wir sozusagen nur den Altar, aber Gott muss das Feuer vom Himmel senden.


Eine Vision für geistliches Leben – Teil 1: Historisch

Wir sind junge Stadtchristen. Unsere Vision für geistliches Leben (des Einzelnen und in der Gemeinschaft) lässt sich an drei Begriffen festmachen: historisch, organisch und relevant. Im Laufe der nächsten Tage werde ich kurze Artikel mit diesen Überschriften veröffentlichen. Hier ist der erste Teil: Historisch.

Wir haben keine Vergangenheit. Und wir haben keine Zukunft. Dafür haben wir Angst. Der moderne Mensch kennt keine Geschichte. Immerhin sind wir ja an der Spitze der Entwicklung! Alles, was vor uns kam, ist deswegen minderwertig. (Es ist höchstens für jemanden interessant, der sich fragt, wie wir an die Spitze gekommen sind.) Als der Fortschrittsglaube noch stark und inspirierend war, hatten wir wenigstens noch eine Zukunft: alles wird besser. Wir arbeiten dran. Wir sind unsere Zukunft, wir sind die Träger unserer eigenen Hoffnung. Aber dieses Perpetuum Mobile funktioniert nicht wirklich. Jetzt blicken wir skeptisch in die Zukunft. Wir sind verunsichert, hängen irgendwie im Nichts. Wir sind die Generation Angst.

Wir brauchen Wurzeln. Wir brauchen Weisheit. Und wir brauchen eine alternative Geschichte für die Zukunft des Menschen und dieses Planeten. Nur so können wir unsere Seele im Jetzt und Hier verorten. Die alten Fragen blieben ungeklärt: Wer sind wir? Wo kommen wir her? Und: Wo geht die Reise hin? Der Zeitgeist gibt uns keine würdige Antwort auf die Frage nach unserer Bestimmung.

Dieses spirituelle Vakuum hat etwas Unerwartetes bewirkt: eine Bereitschaft, den Stimmen der Väter doch wieder unsere Ohren zu schenken. In „The Rebirth of Orthodoxy“ schreibt der Theologe Thomas Oden:

„In grellem Kontrast zur Unfähigkeit des aufgebrauchten Säkularismus steht ein aufkommendes Hoffen auf tiefe, geistliche Wurzeln. Tief in der Geschichte verwurzelt zu sein. Suchende Christen und Juden heute haben ein leidenschaftliches Verlangen nach einem sorgfältigen und zuverlässigen Erinnern an historische Weisheit. Sie haben eine Leidenschaft nach Wurzeln, ein Sehnen nach Tiefe, einen Hunger nach Verständigkeit, ein Verlangen nach Tradition. Dies ist die Wiedergeburt, von der wir wissen, dass sie im Moment geschieht.“

„Das einzig wirksame Gegenmittel“ gegen das, was C. S. Lewis ‚chronological snobbery‘ nannte („die unkritische Annahme, dass alles, was nicht mehr aktuell ist, deswegen automatisch abzulehnen sei“), „ist, die frische Meeresluft vergangener Jahrhunderte durch unseren Verstand wehen zu lassen.“ (Lewis) Wir glauben, dass wir die wichtigen Antworten in der Vergangenheit finden können.

 

Konkret: Wir sehen uns als kleinen Teil von Gottes langer Geschichte mit den Menschen. Wir sind kein neues Phänomen. Deswegen wertschätzen wir die Weisheit, die von Juden und Christen seit Tausenden von Jahren bewahrt und weitergegeben wurde. Wir wollen Christsein nicht neu erfinden. Wir wollen keinen neuen Beitrag leisten. Wir wollen der Vergangenheit zuhören, und die Relevanz des Alten wiederentdecken (Kirchenkalender, alte christliche Praktiken, Traditionen und Gottesdienstformen).

Außerdem glauben wir, dass die Frage, was inhaltlich zum christlichen Glauben gehört, bereits vor langer Zeit von den Kirchenvätern geklärt worden ist. Daher sehen wir das Apostolische Glaubensbekenntnis als das Herzstück des Glaubens, an dem wir festhalten, und den wir weitergeben möchten.


Eine Vision für Anbetung

„Anbetung ist ehrfürchtiges Staunen.“ (Unbekannt)

Anbetung ist natürlich mehr als Musik. Aber in diesem Artikel beziehe ich mich auf die Lieder, die in einem Gottesdienst zu Gott und für Gott gesungen werden. Es ist möglich, diese Zeit über- oder unter zu bewerten. Manche Christen erhoffen sich von dieser Zeit eine Abkürzung zur persönlichen Heiligkeit. Für andere hat das ‚Lieder Singen‘ zwar einen traditionellen Platz in jedem Gottesdienst, ist aber überhaupt nicht mit ihrem Alltag verbunden und kommt nicht von Herzen.

Christen haben schon immer gesungen. Aber was macht eine ‚gute‘ Anbetungszeit aus? Worum sollte es dabei gehen?

Himmel trifft Erde

In der Anbetung geht es primär um Gott, dann um die gläubigen Menschen, die zu ihm singen und als drittes auch um die nicht gläubigen Beobachter und Zuhörer. Alle drei Aspekte, und ihre Reihenfolge, sind wichtig.

  1. Gott ist das Zentrum der Anbetung.

Und als Salomo zu Ende gebetet hatte, da fuhr das Feuer vom Himmel herab und verzehrte das Brandopfer und die Schlachtopfer. Und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus. Und die Priester konnten nicht in das Haus des HERRN hineingehen, denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus des HERRN.“ (2. Chronik 7,1-2)

Christen singen zur Anbetung Gottes. Seine Gegenwart und sein Charakter werden durch Lieder anerkannt. Weil es um Gott geht, sollte er in den Liedern Priorität haben. Anbetung muss Gott-zentriert sein. Seine ewigen Eigenschaften sind wichtiger als unsere menschlichen, möglichen Reaktionen darauf. Lieder sollen ihn beschreiben, und dabei durch theologische Tiefe, Bilder und Symbole den Verstand und die Vorstellungskraft ansprechen. Intelligent und transzendent sein. Eine Anbetungszeit, in der wir nichts über Gott gelernt haben, und in der wir nicht inspiriert wurden, uns ihn so vorzustellen, wie er tatsächlich ist, ist oberflächlich.

Tendenziell sind alte Kirchenlieder inhaltlich wesentlich gehaltvoller (obwohl in den letzten Jahren einige fantastische Lieder geschrieben wurden!). Moderner Worship hat leider eher Hit-Qualitäten, schafft aber kein Erbe für zukünftige Generationen von Anbetern. Passend zu unserer westlichen Konsumgesellschaft, haben viele Lieder einen eher schnelllebigen Charakter. Um das zu ändern, müssen Anbetungsleiter alles daran geben, gute Laientheologen zu sein, die nicht nur mit all ihrem Verstand, sondern auch mit all ihrer Vorstellungskraft versuchen, Gott zu erfassen. Sie sollen wie ein Schatzmeister sein, der aus der Schatzkammer alte und neue Schätze hervorzaubern kann.

Um Gott musikalisch ins Zentrum zu stellen, braucht es musikalische Qualität und Stilrichtungen, die Gottes Eigenschaften vermitteln: die sanfte Liebe Gottes, seine Eifersucht, seine Erhabenheit, seine Schönheit (Ästhetik), seine Majestät, seinen Zorn, seine Kraft, seine Freude, sein weiches Herz – all das (und mehr!) kann durch Musik ausgedrückt werden. Gute Anbetung strebt dieses Ziel an.

  1. Gottes Gemeinde singt zu ihm

Heavenly fire only resides on an altar made from the ground.“ (Matisyahu)

Gott ist das Zentrum der Anbetung. Aber Gott geht es um den Menschen. Wie sieht die menschliche Seite aus? Für eine echte Begegnung mit Gott muss man genauso kommen wie man ist. Warum? Weil Gott Heuchelei hasst – besonders religiöses Getue, Klischees und falsche Frömmigkeit. Deswegen muss Anbetung ganzheitlich und authentisch sein. Im Liederbuch der Bibel, den Psalmen, kommt genau das zum Ausdruck. Die Psalmen sind in gewöhnlicher Sprache verfasst. Manche sind poetisch, künstlerisch, romantisch. Aber nie kompliziert oder theoretisch. Sie sind voller Emotionen, aber ohne seichte Sentimentalität. In ihnen kommen alle menschlichen Emotionen zum Ausdruck: Freude, Trauer, Enttäuschung, Wut, Fassungslosigkeit und Hoffnung.

In einem Gottesdienst werden – je nach Größe – fast alle dieser Emotionen repräsentiert sein. Als Glaubensfamilie haben wir den Auftrag, nicht nur auf uns zu schauen, sondern auch auf die Anderen. Wir sollen uns mit denen freuen, die fröhlich sind, und mit denen trauern, die traurig sind. Um das auch in der Anbetungszeit umzusetzen, bräuchte es Lieder, in denen inhaltlich und musikalisch die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle und Gedanken Ausdruck finden. Statt dessen sind ein Großteil der Anbetungslieder romantische Liebeslieder, in denen wir unsere stark empfundene Liebe zu Gott beteuern. Aus irgendeinem Grund meinen wir, dass Anbetung immer in diese Richtung gehen muss.

Mein Problem damit ist vor Allem, dass so eine Kluft zwischen Alltagsrealität und dem Gottesdienst geschaffen wird. Gerade Menschen, die Gott ernst nehmen, kämpfen mit Widersprüchen, Verletzungen, Enttäuschungen, sind nicht immer froh und verliebt, sondern auch wütend (auch auf Gott!), oder gleichgültig. Wo sind die Lieder, in denen wir das vor Gott zum Ausdruck bringen – uns vor ihm auskotzen können? Unsere Leben als Nachfolger von Jesus sind keine seichte Liebesschnulze. Warum tun wir mit unseren Liedern dann so als ob? Ich stelle mir vor, dass das für Gott sehr unbefriedigend sein muss. Wir brauchen Lieder, in denen wir singen, was wir wirklich denken und fühlen. Und auch hier wieder Musikrichtungen und musikalische Elemente, die uns helfen, das zu vermitteln, was sich in uns abspielt. So können wir den Höhenunterschied zwischen Anbetungszeit und Alltäglichkeit einebnen. Und die frommen Schuldgefühle, die durch diese Diskrepanz entstehen, können endlich beseitigt werden. Sie haben uns schon lange genug entmutigt.

Authentische Anbetung im Gottesdienst würde uns helfen, den Alltag zu heiligen. Wir singen dann Sonntags als die Menschen, die wir Werktags sind. Direkt nach Paulus‘ Aufforderung „Singt Psalmen, Lobgesänge und von Gottes Geist eingegebene Lieder; singt sie dankbar und aus tiefstem Herzen zur Ehre Gottes.“ schreibt er „Alles, was ihr sagt, und alles, was ihr tut, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen, und dankt dabei Gott, dem Vater, durch ihn.“ (Kolosser 3,16b-17) Beides gehört in einen Atemzug – in das gleiche Lied.

Diese Anbetungsleiter müssten dann pastoral begabt sein. Sie bräuchten den Kontakt zur anbetenden Gemeinde, müssten wissen, was die Menschen bewegt, müssten den Alltag und die Schicksale der Einzelnen kennen.

  1. Wir werden beobachtet…

Heißt es nicht in der Schrift: ›Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein für alle Völker‹?“ (Jesus bei der Reinigung des Vorhofs der Heiden; Markus 11,17)

Die musikalische Anbetung Gottes hat immer auch missionarischen Charakter. Da ist Gott im Mittelpunkt, da sind Menschen, die sich um ihn herum versammeln, eine echte Begegnung zwischen diesem Gott und seinen Menschen. Und dann sind da die Zuschauer. In den prophetischen Visionen alttestamentlicher Propheten vom kommenden Friedensreich des Messias ist das ein Thema, das immer wieder auftaucht: die Nationen werden nach Zion kommen, um dabei zu sein, wie das Volk Gottes anbetet – und um daran Teil zu haben.

In „Worship by the Book“ schreibt Tim Keller:

Israel war dazu berufen, die ungläubigen Nationen mit Gott bekannt zu machen indem sie sein Lob sangen. Der Tempel sollte das Zentrum einer die Welt gewinnenden Anbetung [„world-winning-worship“] sein. Das Volk Gottes betete nicht nur vor dem Herrn, sondern auch vor den Nationen an. Gott sollte vor allen Nationen gepriesen werden. Dazu gehörte, dass die Nationen eingeladen wurden, mitzusingen. (…)

Trotz dieser biblischen Ermahnungen leiten Prediger und andere Leiter einen Gottesdienst normalerweise, als ob keine Nichtchristen anwesend wären. Das führt dann dazu, dass Christen sich gar nicht erst vorstellen können, mal einen nichtchristlichen Freund mitzubringen. (…)

Ein Mangel an Einfachheit (besonders Sentimentalität) oder ein Mangel an Transzendenz (besonders Mittelmäßigkeit) werden Nichtchristen langweilen, verwirren oder kränken. Zielt ein Gottesdienst auf der anderen Seite einzig und allein darauf ab, evangelistisch zu sein, werden die Herzen der Christen nicht mit einbezogen, … Nichtchristen werden so keine Menschen sehen, die durch herrlichen Lobpreis geformt und getragen werden.

Fazit: Zielt der Sonntagsgottesdienst hauptsächlich auf Evangelisation ab, wird er die Gläubigen langweilen. Geht es nur um Erbauung, fehlt den Nichtchristen der Zugang. Richtet er sich aber darauf aus, den Gott, der aus Gnade rettet zu preisen, werden gleichzeitig die ‚Insider‘ etwas lernen und die Außenseiter herausgefordert werden. Gute, gemeinschaftliche Anbetung wird natürlicherweise evangelistisch sein.“

Anbetungszeiten müssen also vor dem Hintergrund geplant werden, dass in einem Gottesdienst eigentlich immer Gläubige und Nichtgläubige anwesend sind – ohne sich dann bei der Planung diese Spannung einseitig aufzulösen. Die Gemeinde Gottes singt in Gegenwart der nicht gläubigen Zuhörer Gottes Lob. Eine gesunde Herausforderung! Die praktischen Konsequenzen deutet Keller bereits an. Wir wollen einladend sein, ohne unsere Identität als anbetendes Gottesvolk zu verlieren. Um diese Brücke zu schlagen, muss ein Anbetungsleiter nicht nur ein guter Laientheologe und ein Pastor, sondern auch ein Missionar sein.

Eine Anbetung, die Gott zum Zentrum hat, in die Menschen wirklich mit hineingenommen werden, die einladend für Außenstehende ist. Das ist meine Vision für Anbetung.


Der Vorrang der Theologie

Für denjenigen, der Gott nicht kennt, wird die Welt zu einem seltsamen, verrückten, schmerzhaften Ort, und das Leben darin zu einer enttäuschenden und unschönen Sache. Wenn du das Studium von Gott außer Acht lässt, verurteilst du dich damit selbst dazu, mit verbundenen Augen durchs Leben zu stolpern, ohne zu wissen, wohin du gehst und was dich umgibt. Auf diese Weise kannst du dein Leben verschwenden und deine Seele verlieren.“ (J. I. Packer; „Gott erkennen“)

Was ist Theologie – und warum ist sie so wichtig?

1) Theologie ist universell. Theologie ist die Lehre von Gott. Dabei ist der Charakter Gottes (Wer/wie ist Gott?) der Ausgangspunkt. Aber die christliche Theologie umfasst nicht nur das Gottesbild, sondern auch das Menschenbild und die gesamte Weltanschauung der Bibel. Letztendlich beantwortet die Theologie alle Fragen danach, wie man als Christ denken und handeln sollte.

Viele Christen denken, Theologie sei nur was für Fachleute, manche halten sie sogar für schädlich. Der normale Christ, so die Überzeugung, brauche sich nicht den Kopf über theologische Fragen zu zerbrechen. Weil aber die Theologie, wie gesagt, alle wichtigen und großen Fragen des Glaubens bespricht, beruhen letztendlich alle Glaubensinhalte und -praktiken auf theologischen Überzeugungen. Deswegen läuft es in der Praxis dann darauf hinaus, dass der normale Christ es für ausreichend hält, bei einem sehr grundlegenden Wissen über die Aussagen der Bibel stehen zu bleiben.

In der Einleitung zu seinem Buch über Biblische Theologie trifft Charles Ryrie den Nagel auf den Kopf, indem er beobachtet:

Theologie betrifft jeden. Niemand kommt ohne Theologie aus. In gewissem Sinne ist jeder Mensch Theologe. Und gerade hier liegt das Problem. Es geht nicht darum, ob wir Laien- oder Berufstheologen sind. Problematisch ist es nur, ein unkundiger oder gedankenloser Theologe zu sein. Darum muss sich eigentlich jeder mit Theologie befassen.

Theologie bedeutet, über Gott nachzudenken und seine Erkenntnisse in Worte zu kleiden. […] Grundsätzlich aber ist jedermann Theologe. Sogar der Atheist hat eine Theologie. Er denkt über Gott nach, leugnet seine Existenz und drückt dies manchmal in seinem Reden und in seinem Handeln aus.” (Charles C. Ryrie; “Die Bibel verstehen”)

Jeder ist – in gewissem Sinne – ein Theologe, und jeder hat eine Theologie. Deswegen hat Alister McGrath Recht. Er schreibt:

Wenn du keine gute Theologie hast, hast du eine schlechte Theologie.“ und „Schlechte Theologie richtet Schaden an.“

Theologie ist also eigentlich die gesamte christliche Lehre. Deswegen betrifft die Frage nach der Theologie jeden Christen. Sobald ich einen Christen frage, wie er in einem bestimmten Punkt denkt, bzw. was er in einem bestimmten Punkt glaubt, frage ich ihn nach seiner Theologie. Und die Frage ist, ob dieser Christ, gemessen an der Bibel, eine gute oder eine schlechte Theologie hat. Meine Theologie bestimmt mein Leben.

Alles, was wir als einzelne Christen und als Gemeinde tun, basiert auf Theologie, und rechtfertigt sich mit Theologie. Selbst, wenn man denkt „Wir machen das jetzt einfach mal so wie immer“, oder einfach aus dem Bauch heraus entscheidet, handelt man nach einer bestimmten theologischen Überzeugung – in dem Fall, dass Gott einen Menschen vor Allem durch Traditionen bzw. Gefühle leitet.

2) Theologie ist spirituell. Was wir im Bezug auf Gott glauben, wird unsere Beziehung mit ihm bestimmen. Alister McGrath schreibt: „Theologie ist Spiritualität.“ Laut Edward Farley ist Theologie „nicht bloß objektive Wissenschaft, sondern Gott persönlich zu kennen und mit den Dingen Gottes vertraut zu sein.“

Wenn das stimmt, müssen wir aufhören, Theologie bloß als Fachbereich der akademischen Welt einzuordnen. Statt dessen sollten wir sie als essentiellen Teil einer Gottesbeziehung sehen. Um eine gute Ehe zu führen, muss ich es als Teil meiner Lebensaufgabe sehen, meinen Partner immer besser kennenzulernen. Weil ich meinen Partner liebe, interessiert es mich, wie er ist, wie er denkt, warum er so handelt und empfindet, wie er es tut. Dabei ist der gemeinsam gelebte Alltag der Kontext für dieses ‚Studium‘. Es wäre absurd, wenn ich keine Beziehung mit meinem Partner mehr leben könnte, weil ich so beschäftigt damit wäre, richtige Informationen über ihn zu sammeln. Eine lebendige Beziehung mit Gott durch Jesus Christus ist der Rahmen für meine Theologie.

Zwei Dinge tun also Not:

Zum einen ein ehrliches Eingeständnis der Verbindung zwischen Glauben und Handeln. Wir müssen reflektieren, um herauszufinden, nach welchen Überzeugungen wir tatsächlich leben, welche Theologie wir haben. Wir dürfen keine Angst davor haben, alles prüfend und selbstkritisch zu hinterfragen. Packer gebraucht den Begriff des „Theologisierens“. Damit meint er, dass wir alles gedanklich in Bezug zu Gott und den großen Themen der Bibel bringen, uns also immer fragen: Was sagt das über Gott aus? und: Passt das zu den Hauptaussagen der Heiligen Schrift?

Auf der anderen Seite müssen wir sehr aufpassen, dass wir unser Studium Gottes nicht in einem moralischen Vakuum betreiben. Wissen über Gott verpflichtet. Es soll nicht zur intellektuellen Befriedigung, sondern zur Heiligung dienen. Theologie ist Mittel zum Zweck. Sie ist dazu da, uns dazu zu befähigen, Gott so zu kennen, wie er gekannt werden will, und so für ihn zu leben, wie er das möchte: „Das Endziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.“ (1. Timotheus 1,5)

Theologie im persönlichen Leben

„Und es fragte einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, und versuchte ihn und sprach: Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz? Er aber sprach zu ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.“ (Matthäus 22,35-37)

In dieser Begebenheit wird Jesus nach seiner Theologie gefragt: Worauf kommt es Gott letztendlich an? Jesus‘ Antwort: Gott will, dass wir ihn mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzen Verstand lieben. Darauf läuft alles hinaus, darin kann man alles andere zusammenfassen.

Gott mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu lieben, darüber wird in evangelikalen Kreisen relativ viel gesprochen. Erfahrungen mit Gott zu haben, sich ihm hinzugeben, von ihm verändert zu werden – das sind allgegenwärtige Themen. Vergleichsweise wenig spricht man davon, wie man Gott eigentlich mit ganzem Verstand lieben kann.

Gott mit unserem Verstand zu lieben bedeutet, dass wir ihn, das Objekt unserer Liebe, so gut wie möglich verstehen. Und genauso, wie Gott unser ganzes Herz will, möchte er auch unseren ganzen Verstand. D. h., wir sollen alle kognitiven Fähigkeiten dazu einsetzen, ihn zu erforschen: Wie ist er? Was will er? Wie denkt er?

Im freikirchlichen Bereich sind wir oft skeptisch dem Verstand gegenüber. Immerhin warnt uns die Bibel ja: „Vertraue von ganzem Herzen auf den Herrn und verlass dich nicht auf deinen Verstand.“ (Sprüche 3,5) Weil unser Verstand uns davon abrät, uns ganz auf Gott zu verlassen, halten wir ihn für ein generelles Hindernis in unserem Weg mit Gott.

Und der Verstand soll auch nicht auf dem Thron sitzen. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht das Kind mit dem Badewasser ausschütten! Denn auch wenn der Verstand unser Gegner sein kann, wenn es darum geht, Gott zu vertrauen, sollte er eigentlich ein Werkzeug sein, dass wir einsetzen, um ihn mehr lieben zu können.

Luther schrieb, das ganze Leben des Christen solle eine ständige Umkehr sein. Das Wort, das im Neuen Testament mit „Buße tun“ übersetzt wird, bedeutet wörtlich übersetzt „Veränderung des Denkens“. Wir sollen also unser komplettes Leben u. a. damit beschäftigt sein, umdenken zu lernen.

Dadurch, dass wir uns mit Theologie befassen, werden Gewissen und Herz informiert und trainiert. Nur so können sie ihre Aufgabe erfüllen, Gottes Stimme in unserem Leben zu sein. Deswegen spricht Paulus von einer Erneuerung des Verstandes. Die ist notwendig, um für Jesus leben zu können. Weil wir als Sünder geboren werden, und kein Mensch von alleine so denkt wie Gott, müssen wir uns ständig schulen und korrigieren lassen.

Theologie in der Gemeinde

Welche Rolle sollte die Theologie in einer Gemeinde spielen? Im 1. Korintherbrief ermutigt Paulus die Christen in der Stadt Korinth: „Liebe Brüder, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Böses geht; im Verstehen aber seid vollkommen [od erwachsen].“ (14,20; LUT)

In diesem Kapitel geht es um die Frage, welche übernatürliche Gabe im Gottesdienst am wichtigsten ist. Paulus macht seine Antwort an der Nützlichkeit fest, also daran, welche Gabe am meisten geistlich bewirken kann. Die Korinther waren begeistert von der übernatürlichen Manifestation die Sprachengebet genannt wird. Dabei betet jemand in einer Sprache, die er selber nie gelernt hat, und die auch die anderen Gottesdienstbesucher nicht verstehen können (es sei denn, jemand anderes hat die übernatürliche Befähigung, das Gebetete zu übersetzen).

Paulus hält das Sprachengebet zwar für wichtig, aber nicht so sehr für den Gottesdienst. Für ihn war es wichtiger, dass die Menschen das Gesagte verstehen können. Deswegen spricht er sich für die Gabe der Prophetie (jemand gibt das spezifische Reden Gottes weiter und spricht Worte der Ermutigung, Ermahnung und des Trostes) aus. Man bemerke die Rolle, die in Paulus‘ Theologie der Verstand einnahm! Lieber in einem Gottesdienst fünf Worte sagen, die Sinn machen, als 10.000, die den Verstand komplett umgehen – das nenne ich eine klare Position.

Diese Position bestätigt den Hauptweg, den Gott nimmt, um in einem Gottesdienst an den Menschen zu wirken: durch den Kopf ins Herz.

Theologie und Predigt

Ein gesundes Verständnis vom Wirken Gottes muss sich natürlich vor Allem an einem Ort bemerkbar machen: in der Kanzel. Der Großmeister der Kanzel, Charles Haddon Spurgeon bemerkte:

“Wortschwall ist leider oft das Feigenblatt, das theologische Unwissenheit verdecken muss; man bietet glänzende Satzgefüge anstatt gediegener Lehre und rednerische Floskeln anstatt kräftiger Gedanken.”

Oft haben wir Angst, die Menschen mit zu viel Inhalt zu erschlagen. Während dies natürlich auch ein Extrem ist, vor dem man sich als Prediger hüten muss, kann man auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen, und die Schäfchen hungern lassen. Es ist die Hauptaufgabe des Predigers, die Menschen mit geistlicher Nahrung zu versorgen. Geistliche Nahrung besteht aus Theologie, oder wie Spurgeon es nennt: gediegene Lehre und kräftige Gedanken. Und unsere Befürchtungen, gerade junge Menschen abzuschrecken, scheinen unbegründet. In seinem Buch „Vintage Church“ schreibt Mark Driscoll, dass die Gemeinden am meisten wachsen und den jüngsten Altersdurchschnitt haben, in denen lange und gehaltvoll gepredigt wird.

Ein weiterer Sensei der Predigtkunst drückt mein Anliegen auf eine Weise aus, der nichts hinzuzufügen bleibt:

„Predigen, dass ist wenn Theologie durch einen Menschen kommt, der für Gott brennt.“ (Martyn Lloyd-Jones)

Theologie und Anbetungsmusik

Aber nicht nur die Kanzel, auch die Anbetungszeit einer Gemeinde leidet unter schlechter und schwacher Theologie. Das beginnt damit, dass manche Christen (vielleicht besonders in den Gemeinden, deren Anbetungsverständnis charismatisch geprägt ist) die Anbetungszeit viel zu hoch einschätzen.

Das wird in dem sichtbar, was wir beten, wenn wir Gott um eine gesegnete Anbetungszeit bitten wollen. Da beten wir darum, dass Gott den Anbetungsleiter oder die Lieder gebraucht, um uns vor seinen Thron/in seine Gegenwart zu bringen. Aber „wenn Musik uns in die Gegenwart Gottes bringen könnte, hätte Gott einen Musiker geschickt, und keinen Retter.“ (Vaughan Roberts) Der Anbetungsleiter ist kein Mittler zwischen Gott und den Menschen. Diese Stelle ist schon vergeben. Die Lieder sind auch nicht das Opfer, durch welches die Kluft zwischen uns und Gott überbrückt werden kann. Nur das Blut von Jesus konnte diese Brücke schlagen.

Und auch der theologische Inhalt unseres Liedguts ist relativ dünn und beschränkt sich auf (oft nicht zusammenhängende) Auflistungen von Titeln und Eigenschaften Gottes. Manche Lieder kommen mir so vor, als hätte jemand eine Software entwickelt, die nach dem Random-Prinzip Phrasen und Satzteile zusammenwürfelt und sich dabei nicht am Inhalt, sondern nur am Rhythmus orientiert. Oder wir singen Liebesbeteuerungen, die eigentlich nur in den schönsten und emotionalsten Momenten angebracht wären. Obwohl diese Lieder auch ihren Platz haben, macht es eigentlich mehr Sinn, über ewige, objektive Wahrheiten zu singen, anstatt über das, was diese Wahrheiten in einem Menschen auslösen können.

Fazit: Theologie ist wichtig, und sowohl unser persönliches Leben als auch das Gemeindeleben leidet darunter, wenn die Theologie nicht den Platz bekommt, den Gott für sie vorgesehen hat.