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Treffen Nummer Drei

Diesen Sonntag, den 27. Mai, findet bei uns das dritte Vorab-Treffen statt. Ort und Uhrzeit bleibt gleich! Inhaltlich geht’s diesmal darum, vom Evangelium geprägt zu sein (Selbstironie,  Demut und Mitgefühl), um das organische Prinzip (Raum, Zeit und Zuwendung) und um Musik in der Gemeinde (theologisch, authentisch, evangelistisch). Für ausführlichere Infos zum Inhalt, schau dir in der Dienstphilosophie die ersten drei Abschnitte unter Geistliches Leben an.

Kinderbetreuung wird es auch wieder geben.

Meld dich kurz vorher, wenn du kommst!


Eine Vision für geistliches Leben – Teil 2: Organisch

Unsere Vision für geistliches Leben ist organisch. Sie orientiert sich an der Natur. In der Bibel sehen wir, wie der Mensch und wie das Reich Gottes mit Bildern aus der Natur beschrieben werden. Ein Mensch ist kein Auto, dass nur regelmäßig ‚auftanken‘ muss. Und echte Gemeinschaft (eine Kirche) ist keine Maschine, die bloß ihr Öl braucht, um rund zu laufen. Wir glauben, dass der einzelne Mensch und die Kirche vor Allem lebendige Organismen sind. Und dass das Leben etwas komplexes, gottgegebenes, heiliges und geheimnisvolles ist. Deswegen schätzen wir das Leben, und wollen es gerne in seiner Fülle entdecken.

In der jüdischen Schöpfungsgeschichte heißt es: „Da machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Lebensatem in seine Nase. Und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.“ Gott machte sich die Hände schmutzig, er formte den Menschen aus der Erde. Der Mensch ist von Gott, aber aus der Erde. Und es ist der Atem Gottes, der ihn zu einem lebendigen Wesen macht.

Gottes Schöpfung funktioniert in Zyklen, sie hat einen Rhythmus. Tag und Nacht, die Jahreszeiten, die sieben Tage einer Woche. Leben wird nicht produziert – es wird geschaffen und es wächst. Die Schöpfung lebt nach diesen Gesetzmäßigkeiten.

Uns ist wichtig, dass wir uns zuerst als Teil von Gottes Schöpfung verstehen. Dass wir begreifen, wie seine Welt funktioniert. „Wir vergessen nicht, dass wir Christen sind – wir vergessen, dass wir Menschen sind.“ (Unbekannt) Nicht nur, dass wir es vergessen, wir haben es nie wirklich gewusst. Und deswegen möchten wir gemeinschaftlich lernen, was es heißt, Mensch zu sein und was es heißt, Christ zu sein. Wir wollen gemeinsam leben lernen. Was passiert, wenn Menschen den göttlichen Rhythmus der Schöpfung ignorieren, sieht man momentan in unserer Gesellschaft: „Volkskrankheit Burn-Out“. Wir sind erschöpft und deprimiert – höchste Zeit, dass wir wieder zurückfinden.

Auch das Himmelreich folgt organischen Naturgesetzen. Das Reich Gottes ist seine anbrechende Herrschaft auf dieser Erde, die sich vor Allem in seiner Kirche zeigt. Jesus sagt:

»Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf sein Feld sät. Es ist zwar das kleinste aller Samenkörner. Aber was daraus wächst, ist größer als alle anderen Gartenpflanzen. Ein Baum wird daraus, auf dem die Vögel sich niederlassen und in dessen Zweigen sie nisten.«

Geistliches Leben in einer Gemeinschaft kommt von Gott. Wir können versuchen, alles so sorgfältig wie möglich zu organisieren. Aber Gott muss das Wachstum geben. Und dieses Wachstum braucht Raum, Pflege und Zeit. Um einen Vergleich vom Apostel Paulus zu gebrauchen: wir können pflanzen und gießen, aber Gott bewirkt, dass es wächst. Die Strukturen, die wir brauchen, sind wie ein Pflanzenstab, der dafür sorgt, dass das Wachstum in die richtige Bahn gelenkt wird.

Wir finden, dass man die Gemeinde mit einem Baum vergleichen kann. Ein gesunder Baum wird gleichzeitig in die Tiefe und in die Höhe bzw. Breite wachsen. Für uns bedeutet das Wachstum in die Tiefe zum Einen die gemeinsame Vertiefung des Glaubens. Zum Anderen heißt es für uns allerdings auch, tief in der Geschichte, die Gott mit seinem Volk schreibt, verwurzelt zu sein (siehe letzter Beitrag).

„Life is too deep for words, so don’t try to describe it, just live it.“ (C. S. Lewis)

Konkret: Weil wir das ganze Leben als Gottes Geschenk sehen, spielen Kunst, Musik und Kultur, Freundschaft und Respekt für uns eine wichtige Rolle. Das soll auch in unserer Gemeinschaft, in Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen sichtbar werden. Wir haben eine ganzheitliche Sicht vom Menschen und von einem Leben mit Gott. Ein richtig verstandenes und entsprechend angewendetes Evangelium wird das ganze Leben von innen heraus verändern. Gott will, dass dieser lebenslange Prozess in einer Gemeinschaft gelebt und von ihr begleitet wird. Soulfire soll ein Zuhause für Lernende und Suchende in der Kölner Innenstadt sein.

Wir glauben an das organische Prinzip, haben aber keine romantische Vorstellung davon, wie dieses in der Praxis zum Tragen kommt. Das heißt: Programme, Methoden, Strategien, Organisation und Planung, Absichtlichkeit und Institutionen sind alles notwendige Werkzeuge für geistliches Wachstum. Sie schaffen den Rahmen für Gottes Wirken, sind aber niemals die Ursache oder Quelle geistlichen Lebens. Mit unseren Bemühungen bauen wir sozusagen nur den Altar, aber Gott muss das Feuer vom Himmel senden.


Eine Vision für geistliches Leben – Teil 1: Historisch

Wir sind junge Stadtchristen. Unsere Vision für geistliches Leben (des Einzelnen und in der Gemeinschaft) lässt sich an drei Begriffen festmachen: historisch, organisch und relevant. Im Laufe der nächsten Tage werde ich kurze Artikel mit diesen Überschriften veröffentlichen. Hier ist der erste Teil: Historisch.

Wir haben keine Vergangenheit. Und wir haben keine Zukunft. Dafür haben wir Angst. Der moderne Mensch kennt keine Geschichte. Immerhin sind wir ja an der Spitze der Entwicklung! Alles, was vor uns kam, ist deswegen minderwertig. (Es ist höchstens für jemanden interessant, der sich fragt, wie wir an die Spitze gekommen sind.) Als der Fortschrittsglaube noch stark und inspirierend war, hatten wir wenigstens noch eine Zukunft: alles wird besser. Wir arbeiten dran. Wir sind unsere Zukunft, wir sind die Träger unserer eigenen Hoffnung. Aber dieses Perpetuum Mobile funktioniert nicht wirklich. Jetzt blicken wir skeptisch in die Zukunft. Wir sind verunsichert, hängen irgendwie im Nichts. Wir sind die Generation Angst.

Wir brauchen Wurzeln. Wir brauchen Weisheit. Und wir brauchen eine alternative Geschichte für die Zukunft des Menschen und dieses Planeten. Nur so können wir unsere Seele im Jetzt und Hier verorten. Die alten Fragen blieben ungeklärt: Wer sind wir? Wo kommen wir her? Und: Wo geht die Reise hin? Der Zeitgeist gibt uns keine würdige Antwort auf die Frage nach unserer Bestimmung.

Dieses spirituelle Vakuum hat etwas Unerwartetes bewirkt: eine Bereitschaft, den Stimmen der Väter doch wieder unsere Ohren zu schenken. In „The Rebirth of Orthodoxy“ schreibt der Theologe Thomas Oden:

„In grellem Kontrast zur Unfähigkeit des aufgebrauchten Säkularismus steht ein aufkommendes Hoffen auf tiefe, geistliche Wurzeln. Tief in der Geschichte verwurzelt zu sein. Suchende Christen und Juden heute haben ein leidenschaftliches Verlangen nach einem sorgfältigen und zuverlässigen Erinnern an historische Weisheit. Sie haben eine Leidenschaft nach Wurzeln, ein Sehnen nach Tiefe, einen Hunger nach Verständigkeit, ein Verlangen nach Tradition. Dies ist die Wiedergeburt, von der wir wissen, dass sie im Moment geschieht.“

„Das einzig wirksame Gegenmittel“ gegen das, was C. S. Lewis ‚chronological snobbery‘ nannte („die unkritische Annahme, dass alles, was nicht mehr aktuell ist, deswegen automatisch abzulehnen sei“), „ist, die frische Meeresluft vergangener Jahrhunderte durch unseren Verstand wehen zu lassen.“ (Lewis) Wir glauben, dass wir die wichtigen Antworten in der Vergangenheit finden können.

 

Konkret: Wir sehen uns als kleinen Teil von Gottes langer Geschichte mit den Menschen. Wir sind kein neues Phänomen. Deswegen wertschätzen wir die Weisheit, die von Juden und Christen seit Tausenden von Jahren bewahrt und weitergegeben wurde. Wir wollen Christsein nicht neu erfinden. Wir wollen keinen neuen Beitrag leisten. Wir wollen der Vergangenheit zuhören, und die Relevanz des Alten wiederentdecken (Kirchenkalender, alte christliche Praktiken, Traditionen und Gottesdienstformen).

Außerdem glauben wir, dass die Frage, was inhaltlich zum christlichen Glauben gehört, bereits vor langer Zeit von den Kirchenvätern geklärt worden ist. Daher sehen wir das Apostolische Glaubensbekenntnis als das Herzstück des Glaubens, an dem wir festhalten, und den wir weitergeben möchten.